Im Kultur- und Geschäftszentrum der Russlanddeutschen in Kaliningrad wird die Ausstellung der Absolventen der Kinderkunstschule des Jahres 2026 fortgesetzt. Einen besonderen Platz nimmt dabei das Grafikprojekt von Lawr Merz „Kaliningrader Fischfang“ ein, dessen atmosphärische Werke das offizielle Plakat der gesamten Exposition zieren.
Über die Feinheiten dieses Projekts und über den Künstler selbst erzählte die Klassenlehrerin der Absolventen der Kinderkunstschule des Jahres 2026 – Dr. paed., Mitglied des Designerverbandes Russlands, des Künstler-Berufsverbandes Russlands sowie des Internationalen Verbandes der Kunstpädagogen, Natalia Woronowa:
„An der Kunstschule entscheiden sich Jugendliche oft für die Grafik – das ist das, was ihnen am nächsten liegt. Aber Lawr, unserem einzigen Jungen in der Klasse, ist eine sehr interessante, ganz eigene Kombination aus einem Kapillar-Fineliner und Filzstiften gelungen.
Die Absolventen haben die Themen für ihre Diplomarbeiten selbst gewählt, und ich bin sehr froh, dass er seiner größten Leidenschaft vertraut hat – dem Angeln. Lawr selbst hat unglaublich viel Anglerglück, er kennt und spürt das Element Wasser zutiefst. Für uns als Betrachter ist das sofort spürbar: Wenn man einen genaueren Blick auf seine Bilder wirft, kann man sich kaum vorstellen, was für eine akribische Arbeit das ist und wie viel Zeit sie ihn gekostet hat!“
Wir haben uns mit dem jungen Künstler über seinen neunjährigen künstlerischen Werdegang, die Geheimnisse der Stilisierung und darüber unterhalten, wie er seine beiden großen Lebensleidenschaften auf der Leinwand miteinander verbindet.
Lawr, herzlichen Glückwunsch zur Ausstellung! Erinnerst du dich noch an den Moment, als du dich entschieden hast, auf die Kunstschule zu gehen? War das dein eigener Wunsch oder eher die Initiative deiner Eltern?
Insgesamt lerne ich schon seit neun Jahren: vier Jahre in Kasachstan und weitere fünf Jahre hier in Kaliningrad. Als ich das erste Mal zum Unterricht kam, war ich noch ein kleines Kind, gerade mal sieben Jahre alt. Ganz am Anfang ging die Initiative also tatsächlich von meinen Eltern aus. Aber als ich hier in Kaliningrad in die zweite Klasse kam, wurde mir bewusst: Das gefällt mir selbst unheimlich gut. In all den Jahren, die ich hier lerne, ist mir kein einziges Mal der Gedanke gekommen, alles hinzuschmeißen. Ich habe einfach weitergezeichnet, weil mir der Prozess an sich pure Freude bereitet.
Dein Werk ziert das Plakat der Ausstellung. Was glaubst du, warum haben die Organisatoren ausgerechnet dein Bild ausgewählt, und wie fühlt sich das für dich an?
Ich denke, mein Bild wurde ausgewählt, weil es stilvoll, minimalistisch und sehr grafisch wirkt. Zudem glaube ich, dass das Thema unbewusst eine Brücke zur deutschen Kultur schlägt – die Deutschen haben eine ganz besondere, sehr achtsame Beziehung zum Angeln, genau wie ich. Natürlich erfüllt es mich mit großem Stolz, dass mein Projekt zum Gesicht der gesamten Ausstellung geworden ist.

Ankündigungsplakat zur Absolventenausstellung 2026 der Kinderkunstschule im Kultur- und Geschäftszentrum Kaliningrad
Das Thema der Abschlussarbeit war völlig freigestellt. Warum hast du dich ausgerechnet für Fische als Hauptmotiv entschieden?
Die Themenwahl für mein Diplom lag für mich auf der Hand: Ich bin verrückt nach Fischen und liebe das Angeln über alles! Mir gefällt dabei einfach das Gesamtpaket: der eigentliche Fang, der Nervenkitzel, das anschließende Zubereiten des Fangs und natürlich das gemeinsame Essen.
Mich hat das Aussehen von Fischen schon immer fasziniert. Ich schaue sie mir unheimlich gerne ganz genau an und merke mir mühelos und mit großem Interesse Details über ihre Arten, Lebensräume und anatomischen Besonderheiten. In meinem Projekt wollte ich die faszinierende Textur eines Fisches einfangen, die fließende Bewegung der Flossen und das Schimmern der Schuppen im Licht. Die Grafik als Technik liegt mir einfach am meisten – darin zu arbeiten, ist für mich das reinste Vergnügen.
Deine Arbeiten sind farblich sehr reduziert – du beschränkst dich auf gerade mal zwei bis drei Töne pro Bild. Wie sind diese Farblösungen entstanden?
Eine reduzierte Palette wirkt einfach immer stilvoller. Bei jedem der drei Bilder habe ich eine andere Hintergrundfarbe gewählt, die den natürlichen Lebensraum des Fisches widerspiegelt. Beim Wels zum Beispiel ist der Hintergrund in erdigen Sumpftönen gehalten, da er in stehenden Gewässern lebt. Auf dem Bild mit dem Hornhecht ist der Hintergrund eher bläulich und transparent, also maritim. Und bei der Arbeit mit dem Döbel und der Äsche ist die Untermalung noch klarer, weil diese Fische in Gewässern mit sehr starker Strömung zu Hause sind. Was die Kleidung der Fischer angeht – da habe ich mich ganz auf meine Intuition verlassen.
Siehst du deine berufliche Zukunft im Bereich der Kunst?
Ich würde mich riesig freuen, wenn die Kunst zu meinem Beruf werden könnte. Aber im Moment plane ich, meine Zukunft der Erforschung von Fischen zu widmen – also der Ichthyologie oder Biologie. Ich habe noch zwei Jahre bis zum Schulabschluss vor mir und werde in dieser Zeit auf jeden Fall darüber nachdenken, wie ich diese beiden Facetten – meine absoluten Lieblingshobbys – harmonisch miteinander verbinden kann.
Wenn man dir anbieten würde, eine riesige Hauswand in der Stadt zu gestalten – was würde darauf entstehen?
Natürlich würden auf dieser Wand wunderschöne Fische zu sehen sein – zum Beispiel farbenfrohe Koi-Karpfen, die sich unheimlich spannend dekorieren und stilisieren lassen. Unsere Region ist historisch untrennbar mit der Fischerei verbunden, daher könnte man in Kaliningrad eine ganze Reihe solcher Wände gestalten. Fische sind optisch sehr ansprechend und ziehen die Blicke magisch an.
Was möchtest du unseren Leserinnen und Lesern mit auf den Weg geben oder raten?
Ich würde absolut jedem empfehlen, das Zeichnen einfach mal auszuprobieren. Viele sagen: ‚Ich kann das nicht‘, und berauben sich damit selbst eines wunderbaren Werkzeugs, das man eigentlich immer parat hat. Wenn ich zeichne, spüre ich eine tiefe Entspannung und kann mental komplett abschalten.
Das Zeichnen beruhigt ungemein, und kreative Fähigkeiten helfen einem im Leben immer weiter – sei es, um etwas schön zu dekorieren oder ein Plakat zu entwerfen. Wenn man einen Zeichenkurs, eine Kunstschule oder meinen Workshop besucht, der übrigens in ein paar Tagen im Kultur- und Geschäftszentrum stattfindet, entdeckt man den besten Weg, um Stress abzubauen und neue Kraft zu tanken.
Eine neue Herausforderung: Vom Schüler zum Mentor
Nachdem das Kultur- und Geschäftszentrum neue, vielversprechende Talente entdeckt hat, beschließt es, den Rahmen des gewohnten Ausstellungsformats zu sprengen: Schon am 13. Juni wird Lawr Merz in die Rolle des Mentors schlüpfen und seinen eigenen kreativen Workshop leiten.
„Wir bereiten Lawrs eigenen Workshop vor, der sich ganz dem Thema Fische widmet. Für unsere Region ist das eine wunderbare Hommage: Wir sind von so viel Wasser umgeben – Flüssen, Seen und dem Meer – und in jedem dieser Gewässer wimmelt es nur so von einzigartigem Leben“, teilt seine betreuende Dozentin Natalia Woronowa ihre Pläne. „Lawr wird selbst durch dieses Treffen führen: Er wird im Detail erzählen, wie die Idee zu seiner Abschlussarbeit entstanden ist, und die Geheimnisse seiner Grafiktechnik lüften. Ich werde ihn in dieser neuen Rolle natürlich mit großer Freude unterstützen und begleiten. Gemeinsam werden wir den Gästen vorschlagen, eigene Grafiken zu gestalten. Natürlich lässt sich ein so gewaltiges Pensum wie das seines Diplomprojekts nicht in einer einzigen Sitzung bewältigen, deshalb werden wir uns für ein etwas kleineres Format entscheiden.“
Lawr selbst gesteht, dass er diesem Ereignis mit einer Mischung aus Vorfreude und Lampenfieber entgegenblickt: „Ich empfinde gleichzeitig Aufregung und Stolz. Aufregung – weil es für mich das erste Mal ist, dass ich eine solche Erfahrung mache. Stolz – weil ausgerechnet mir diese Chance gegeben wurde.
Ich würde mich riesig freuen, wenn meine Fähigkeiten den zukünftigen Schülern dabei helfen, die Grafik zu meistern und vielleicht ihren eigenen Weg in der Kunst einzuschlagen.
Für den Workshop haben wir uns gezielt für diese Technik entschieden, da sie im Gegensatz zu Farben für Anfänger viel zugänglicher ist, aber dennoch unglaublich stilvolle Ergebnisse ermöglicht.“
Besucherinformationen
Die Grafikserie von Lawr Merz sowie die Werke weiterer Absolventen der Kinderkunstschule können auf der Ausstellung in Kaliningrad besichtigt werden. Die Exposition steht allen Interessierten bis einschließlich 22. Juni in den Räumlichkeiten des Kultur- und Geschäftszentrums der Russlanddeutschen (Jaltinskaja-Straße 2A) offen. Die Türen des Zentrums sind täglich von 10:00 bis 19:00 Uhr geöffnet. Der Eintritt zur Ausstellung ist frei.
Das Treffen mit dem jungen Künstler und sein exklusiver Workshop finden bereits an diesem Samstag, dem 13. Juni, um 14:00 Uhr im Zentrum statt.
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