Der 1. Juni steht ganz im Zeichen der Kinder – ein wunderbarer Anlass, um den kreativen Nachwuchs ins Rampenlicht zu rücken. Voller jugendlicher Dynamik präsentierten sich an diesem Tag die Ausstellungsräume des Kultur- und Geschäftszentrums der Russlanddeutschen in Kaliningrad. Mit einer feierlichen Vernissage wurde hier die Ausstellung der Abschlussarbeiten des Jahrgangs 2026 der örtlichen Kinderkunstschule eröffnet.
Fünf Jahre einer intensiven, aber faszinierenden studienvorbereitenden Ausbildung im Fach „Malerei“ liegen hinter ihnen. In dieser Zeit erlernten die Jugendlichen zahlreiche Maltechniken, um schließlich eine absolute künstlerische Entfaltungsfreiheit zu erlangen. Die Themen und Materialien wählten die Absolventen selbst – so verwandelte sich die Ausstellung in ein facettenreiches Kaleidoskop der Stilen und Bedeutungen. Ein besonderer Blickfang der Werkschau sind die Abschlussprojekte zweier talentierter Russlanddeutscher: Patrizia Neumann und Lawr Merz. Ihre Werke wurden für die Organisatoren zu einer echten Entdeckung.
Die Energie junger Talente: Zentrumsleiterin im Gespräch

Jelisaweta Selinskaja mit den Mitgliedern des Tanzensembles „Freundschaft“ (russ. „Druschba“) aus der Siedlung Krasnolesje auf den Stufen des Kultur- und Geschäftszentrums der Russlanddeutschen in Kaliningrad
Elisaweta Selinskaja, die Direktorin des Kultur- und Geschäftszentrums, betont, dass diese Ausstellung für sie eine ganz besondere, inspirierende Bedeutung hat: „Ich habe die Leitung des Zentrums erst vor Kurzem übernommen, und dieses Projekt war für mich persönlich eine absolut faszinierende Entdeckung. Als ich der Kinderkunstschule vorschlug, eine gemeinsame Ausstellung auf die Beine zu stellen, stieß ich sofort auf offene Ohren – in kürzester Zeit haben die Werke der Jugendlichen ihren Platz in unseren Räumen gefunden.
Völlig unerwartet haben wir dabei zwei unglaublich begabte Kunstschaffende aus den Reihen der Russlanddeutschen entdeckt: Patrizia und Lawr.
Es ist die tiefste Mission unseres Zentrums, jungen Talenten Raum zu geben und ihnen spürbaren Rückenwind für ihre Entwicklung zu bieten. Genau deshalb möchten wir, dass diese Zusammenarbeit weit über die reine Ausstellung hinausgeht. Uns hat ihr künstlerischer Mut so sehr begeistert, dass wir die beiden eingeladen haben, eigene Workshops in unserem Zentrum zu leiten.
Zu diesen Treffen werden wir gezielt die Mitglieder unseres Jugendclubs einladen. Ich bin mir sicher: Das wird ein einzigartiger, inspirierender Dialog auf der Ebene der Kunst.“
Pädagogisches Experiment: Das Wort hat die Mentorin

Natalia Woronowa und der Zeichenlehrer Wassili Morosow mit den Absolventen der Kinderkunstschule des Jahres 2026
Über den Weg ihrer Schützlinge, ihre starken Persönlichkeiten und den überraschenden Rollenwechsel, bei dem Absolventen plötzlich zu Lehrenden werden, spricht Natalia Woronowa. Sie begleitet die Klasse bereits seit dem fünften Schuljahr, ist Dozentin an der Kinderkunstschule, promovierte Erziehungswissenschaftlerin (Dr. paed.) sowie Mitglied in mehreren renommierten Fachverbänden, darunter dem Designerverband Russlands, dem Künstlerverband Russlands und dem Internationalen Verband der Kunstpädagogen:
„Mit dem Kultur- und Geschäftszentrum in Kaliningrad verbindet uns eine langjährige, herzliche Freundschaft. Wir haben hier bereits thematische Vernissagen veranstaltet und die Werke unserer Lehrkräfte präsentiert. Doch die Abschlussprojekte unserer Absolventen stellen wir auf dieser Plattform zum ersten Mal vor – das ist für uns ein historischer Moment.
Ich bin fasziniert davon, dass die Jugendlichen für ihre Abschlussarbeiten völlig gegensätzliche Techniken und Themen gewählt haben, die jedoch alle von der Liebe zu unserer Region durchdrungen sind. Zu Beginn gab ich ihnen den wichtigsten Rat: ‚Tut das, was ihr wirklich liebt, und dann wird die Arbeit lebendig.‘ Einige illustrierten ihre Lieblingsbücher, andere zeichneten die Vögel und die Natur unserer Heimat, während Patrizia und Lawr ihren eigenen, einzigartigen Weg einschlugen.
Patrizia Neumann ist ein unglaublich selbstständiges, unbeschwertes und mutiges Mädchen. Sie besitzt eine seltene Gabe: Sie hat absolut keine Angst vor Experimenten und radikalen Veränderungen. Während der Arbeit an ihrem Diplom hat sie die ursprüngliche Idee komplett verworfen und alles von Grund auf neu gestaltet. Ihr Motto lautet: ‚Wenn es sein muss, mache ich es eben neu!‘ Und dieser Perfektionismus hat zu einem beeindruckenden Ergebnis geführt. Schauen Sie sich nur ihr Projekt ‚Musik meiner Stadt‘ an! Eine wunderbare Technik – eine Kombination aus Collage und Grafik, ausgeführt mit Filzstiften, und sehr kräftige, satte Farben!
Das Ergebnis dieser Ausstellung wird ein mutiges Experiment sein: Schon bald werden Patrizia und Lawr im Kultur- und Geschäftszentrum eigene Kreativworkshops leiten. Sie werden sich zum ersten Mal in der Rolle echter Mentoren versuchen. Ich werde natürlich an ihrer Seite sein und bei Bedarf unterstützen, aber die Hauptakteure werden hier die Jugendlichen sein. Für Patrizias Workshop haben wir das Thema Straßenmusiker und Tänzer gewählt – das liegt sowohl ihrem Schaffen als auch der heutigen Jugend nahe. Wir werden den Teilnehmern anbieten, einen strukturierten Hintergrund zu schaffen und dann lebendige, dynamische Konturen mit Filzstiften auszuarbeiten. Das wird sehr stilvoll und frei wirken!“
Interview mit einer Absolventin: Ein Gespräch mit Patrizia Neumann
Patrizia, herzlichen Glückwunsch zur Eröffnung! Ist das deine allererste Ausstellung oder wurden deine Arbeiten schon einmal irgendwo präsentiert?
Ja, das ist tatsächlich meine allererste Ausstellung.
Erinnerst du dich noch an den Moment, als du dich entschieden hast, auf die Kunstschule zu gehen? War das dein eigener Wunsch oder eher der deiner Eltern?
Einen bestimmten, klaren Moment gab es eigentlich nicht. Ich habe schon immer gerne gezeichnet und war von klein auf in verschiedenen Malkursen. Meine Eltern haben mich nie gedrängt, ich habe mir dieses Hobby ganz allein ausgesucht. Als ich mich dann schließlich entschlossen hatte, mich an der Kunstschule zu bewerben, habe ich zuerst zwei Monate lang den Vorbereitungskurs besucht und dann auf die Prüfung gewartet. Ich war wahnsinnig aufgeregt! Aber sobald ich den Prüfungsaufbau vor mir sah, wurde ich sofort ruhiger.
Ich wurde auf Anhieb angenommen, obwohl man mir vorher Angst gemacht hatte, dass viele es erst nach mehreren Versuchen schaffen.
Ein fünfjähriges Studium ist ein langer Weg. Gab es Momente, in denen du alles hinschmeißen wolltest, und was hat dir geholfen, weiterzumachen?
Ja, solche Momente gab es. Besonders in der dritten Klasse, als ich mir den Rücken gebrochen habe. Die Genesung hat ein ganzes Jahr gedauert – dadurch habe ich enorm viel Lernstoff verpasst. Als ich zurückkam, hat mich Natalia Markowa, unsere Lehrerin von der 1. bis zur 4. Klasse, unglaublich unterstützt. Aber ich habe gemerkt, dass ich im Vergleich zu meiner Klasse das Niveau verloren hatte, und das war mental sehr schwer. Ich kann nicht sagen, dass ich diese Phase komplett überwunden habe – ich spüre die Nachwirkungen bis heute. Aber ich habe die Kunstschule nicht abgebrochen, weil mir das Zeichnen einfach nach wie vor riesigen Spaß macht, weil wir eine wunderbare Atmosphäre in der Klasse hatten und natürlich auch, weil Disziplin eine wichtige Rolle spielt.
Welcher Hauptwert – abgesehen von den zeichnerischen Fähigkeiten – wird dir nach dem Abschluss bleiben?
Vor allem ein ausgeprägtes Pflichtbewusstsein und die Fähigkeit, alle Arbeiten pünktlich zur Abgabe fertigzustellen. Außerdem Ausdauer: Die Unterrichtsstunden sind lang und vielleicht nicht immer spannend, aber man entwickelt das klare Bewusstsein, dass ich das für mich selbst und für meine eigene Entwicklung brauche. Und natürlich Teamarbeit – manchmal haben wir gemeinsame Projekte in Kunstgeschichte gemacht.
Die Kunstschule ist für mich nicht einfach nur ein Ort zum Lernen geworden, sondern ein Raum, in den man trotz aller schwierigen Momente aufrichtig gerne zurückkehrt.
Unsere Gruppe und die Klassenlehrerin sind mir sehr ans Herz gewachsen. Ich bin mir sicher, dass wir uns auch in Zukunft in den verschiedensten Bereichen gegenseitig unterstützen können.
Lass uns über dein Projekt „Musik meiner Stadt“ sprechen. Welche Idee oder Emotion steckt dahinter? Und warum hast du dich ausgerechnet für die Mischtechnik entschieden – war das eine Herausforderung an dich selbst oder das, was dir am leichtesten fällt?
In meinen Bildern geht es um die Gefühle der Musik, um den Gedankenstrom der Musiker. Ich wollte die musikalischen Rhythmen zeigen und wie verschiedene Menschen sie wahrnehmen. Die Mischtechnik ist nicht ohne Grund gewählt: Sie spiegelt genau das Gefühl wider, wenn man für seine Sache brennt. Ich kann nicht sagen, dass ich diese Technik gewählt habe, weil sie leicht oder im Gegenteil kompliziert ist. Die Entscheidung basierte ausschließlich darauf, wie man dieses brennende, mitreißende Gefühl der Musik am besten vermitteln kann.

Patrizia im Entstehungsprozess ihrer Abschlussarbeit und eines ihrer Bilder aus der Serie „Musik meiner Stadt“
Hinter den Arbeiten steckt auch eine persönliche, für mich sehr wichtige Geschichte. Meine Bilder sind nicht nur der Energie des Rhythmus gewidmet. Sie sind auch eine Erinnerung an meinen Vater. Meine Oma hat mir erzählt, dass er in seiner Jugend DJ war und überhaupt sein ganzes Leben lang eine große Liebe für schöne Musik hatte.
Deine Bilder sind sehr lebendig und dynamisch. Sind diese Figuren in deinem Kopf entstanden oder sind das reale Menschen? Hilft dir Musik beim Arbeiten?
Die Figuren auf den Bildern sind frei erfunden, aber ich beobachte oft Straßenmusiker und DJs auf Veranstaltungen – ihre Energie hat mich schon immer mitgerissen, deshalb habe ich auch so leuchtende Farben gewählt. Dennoch dienten einige Bekannte als Prototypen für manche Charaktere. Sie haben sich bereit erklärt, für gerade mal zehn Minuten lang Modell zu stehen.
Als ich an diesen Werken gearbeitet habe, lief über meine Kopfhörer Hip-Hop und generell verschiedene energiegeladene Tracks.
Die Musik beeinflusst den kreativen Prozess unbestreitbar und hilft, in den richtigen Rhythmus zu kommen. Ich zeichne eigentlich immer mit Kopfhörern (es sei denn, der Akku ist leer).
Ich selbst kann leider kein Musikinstrument professionell spielen, aber ich habe eine Ukulele, auf der ich ein oder zwei Melodien hinkriege.
Wenn die Betrachter vor deinen Bildern stehen und sie „einschalten“ könnten – welches Lied oder welche Melodie würde als Erstes ertönen?
Wenn die Bilder einen Sound hätten, würden als Erstes die Tracks „I get Physical“ von Pete Rock & C. L. Smooth oder „Seven Days in Sunny June“ (Kraak & Smaak Remix) von Jamiroquai ertönen.
In naher Zukunft ist im Kultur- und Geschäftszentrum ein Workshop geplant, den du selbst leiten wirst. Wie fühlt es sich an, plötzlich die Rolle von der Schülerin zur Lehrerin zu wechseln? Was geht in dir vor?
Die Rolle der Lehrerin zu übernehmen und selbst einen Workshop zu leiten, ist ziemlich aufregend und ungewohnt, aber es ist eine unheimlich interessante Erfahrung. Seit ich dazu eingeladen wurde, empfinde ich natürlich Stolz und nur positive Emotionen – schließlich ist es das erste Mal für mich! Aber ich will nicht verschweigen, dass auch ein bisschen Angst dabei ist.
Allerdings gefällt mir ein Satz sehr gut: „Man muss dorthin gehen, wo es einem Angst macht, denn genau so sammeln wir neue Erfahrungen.“
Den Anfängern in meinem Workshop möchte ich vor allem vermitteln, dass man keine Angst davor haben muss, Materialien zu mischen, und dass man generell keine Angst davor haben sollte, Fehler zu machen.
Planst du, deinen zukünftigen Beruf mit der Kunst zu verbinden? Und wenn man dir anbieten würde, eine riesige Wand in der Stadt zu bemalen, was würde dort entstehen?
Ich denke schon, das würde ich mir sehr wünschen. Aber eine genaue Antwort kann ich noch nicht geben: Es fällt mir nach wie vor schwer, mich festzulegen, als was genau ich arbeiten möchte. Deshalb probiere ich mich in verschiedenen Richtungen aus. Aber ich liebe die Kunst wirklich von ganzem Herzen und denke, dass ich immer wieder zu ihr zurückkehren werde.
Wenn man mir eine große Stadtwand anvertrauen würde, gäbe es dort auf jeden Fall sehr leuchtende Farben und Silhouetten. Ich würde gerne das pulsierende Leben der Stadt abbilden, die Hektik der Menschen und das, was Kaliningrad symbolisiert – vielleicht etwas, das mit der reichen Geschichte unserer Region verbunden ist.
Die Verteidigung der Abschlussarbeiten und die Zeugnisübergabe markieren das Finale. Welches Gefühl bleibt dir genau jetzt auf der Seele?
Ja, die letzte Prüfung liegt hinter mir, und die Geschichte meiner Zeit an der Kunstschule ist zu Ende. Diese fünf Jahre sind absolut unbemerkt verflogen. Im Moment bleibt ein seltsames Gefühl – als ob etwas vorbei ist, das lange Zeit der absolute Mittelpunkt all meiner Freizeitaktivitäten war. Obwohl ich den Unterricht in letzter Zeit nicht mehr ganz so oft besucht habe, liebe ich diesen Ort nach wie vor sehr. Ich werde die Schule selbst, unsere Klasse und meine Mitschüler schrecklich vermissen.
Patrizia, vielen herzlichen Dank für dieses so offene und ehrliche Gespräch! Dein Mut und deine Fähigkeit, dorthin zu gehen, wo es dir Angst macht, sind wirklich bewundernswert. Wir sind uns absolut sicher, dass dein erster Workshop ein voller Erfolg wird und dir die Rolle der Mentorin nur Stolz und Freude bringt. Möge dein kreativer Weg außerhalb der Kunstschule voller Erfolg und leuchtender Farben sein. Viel Glück!
Vielen Dank! Das sind sehr wertvolle Worte für mich. Ich würde mich freuen, alle bei unserer Ausstellung und meinem Workshop zu sehen, der am 10. Juli im Kultur- und Geschäftszentrum der Russlanddeutschen in Kaliningrad stattfinden wird!
Kommen Sie vorbei und unterstützen Sie die jungen Künstler!
Die Ausstellung der Abschlussarbeiten ist für alle Interessierten bis einschließlich 22. Juni geöffnet. Verpassen Sie nicht die Gelegenheit, sich von der Energie der Jugend inspirieren zu lassen und als Erste die Werke der zukünftigen Meister zu sehen!
Wo: Kultur- und Geschäftszentrum der Russlanddeutschen (Kaliningrad), Jaltinskaja-Str. 2A
Wann: täglich von 10:00 bis 19:00 Uhr
Der Eintritt ist frei.
Fortsetzung folgt: Nicht verpassen!
Die Ausstellung steckt voller tiefer Bedeutungen und starker künstlerischer Persönlichkeiten. Schon nächste Woche blicken wir hinter die Kulissen des kreativen Prozesses eines weiteren talentierten Russlanddeutschen – Lawr Merz. Es erwartet Sie ein exklusives Interview mit dem Künstler über seine Grafikarbeit „Kaliningrader Fischfang“. Verpassen Sie es nicht!






