Ein neuer, neunter Gedichtband des russlanddeutschen Dichters Paul Blume ist erschienen. Vor der Buchpräsentation, die am 30. April im Zentrum der Komi-Kultur in Syktywkar stattfindet, haben wir dem Autor einige Fragen gestellt.

Paul, Ihr neues Buch heißt „Poetischer Kompass“. Erzählen Sie, wie es entstanden ist und warum dieser Titel?

Das Buch entstand allmählich. Es enthält Gedichte, die ich in den letzten zwei Jahren geschrieben habe. Hier vereinen sich meine beiden liebsten Themen – Literatur, genauer gesagt die Poesie, und Geografie – und es ist wie eine Reise zu mir selbst und in andere Länder.

Ursprünglich wollte ich eine Reihe von Gedichten über den Osten verfassen. Der erste Teil des Buches sind Gedichte über China und Japan. Die Kultur dieser Länder inspiriert mich sehr, besonders die japanische. Die Idee des „Poetischen Kompasses“ kam vor Kurzem. In den Gedichten in diesem Buch interpretiere ich alle Weltregionen durch den Norden, denn der Nordpfeil zeigt immer nach Norden. Nach Worten von Sergei Jesenin, sobald du deine Heimat findest, bist du erfüllt, andernfalls bist du verloren. Damit ist „Poetischer Kompass“ eine Fortsetzung meines vorherigen Buches „Die Cranberries-Sonnen“, in dem ich das Thema des Nordens erweitere und vertiefe.

Ich lasse mich von Reisen, meiner Umgebung, viel Lesen und meiner Fantasie inspirieren, mit der ich bestimmte Bilder ausgestalte. So entstanden die Zyklen über den Süden – Abchasien; den Norden – Bilder aus Syktywkar und Norditalien; und den Westen – Bilder von England und dem Westen, inspiriert von der Musik meines Lieblingskomponisten Georg Händel.

Gibt es ein Gedicht im „Poeешschen Kompass“, das den Ton für das ganze Buch angibt und sein Leitmotiv ist?

Das ist ein Gedicht über Reisen. Es liegt mir sehr am Herzen und wurde auch in der Fachwelt hochgeschätzt – es war Finalist beim Wettbewerb des Gorki-Literaturinstituts in Moskau.

Wie lief die Auswahl der Gedichte für den Band ab? Wurden alle bereits geschriebenen Gedichte aufgenommen?

Eigentlich wähle ich nur etwa 30 Prozent meiner Gedichte aus, die restlichen 70 Prozent bleiben im Entwurf. Nicht alle meine Werke werden veröffentlicht. Ich folge dem Prinzip des goldenen Schnitts und überarbeite meine Gedichte sorgfältig. Wladimir Majakowski schrieb in einem Artikel 1912, dass man einem Gedicht eine Woche Ruhe gönnen sollte, um es anschließend neu zu prüfen. Ich mache das ähnlich: Ich lasse meine Gedichte etwas ruhen, lese sie wieder durch – und entferne oder ergänze dabei stäts etwas. Wenn ein Gedicht fertig ist, spüre ich das ziemlich deutlich – es fühlt sich an, als hätte ich es bereits freigegeben. Manchmal sind die ersten Versionen fertig, ohne dass noch viel geändert werden muss, wie zum Beispiel das Gedicht „Auf den Flügeln eines Schmetterlings ist Gott“, das ebenfalls Finalist bei einem Wettbewerb – Walerij-Gruschin-Festival für Autorenlied war.

Im Begleittext zum Buch schreibt Stefania Danilowa, dass sie beobachtet hat, wie Sie Ihre Gedichte nach alten Methoden in einem Notizbuch notieren und mit eigenen Illustrationen ergänzen, ganz nach Puschkin. Haben Ihre Zeichnungen das Buch bereichert oder haben andere die Illustrationen und das Cover gestaltet?

Illustrationen und das Cover stammen von der Künstlerin aus Sank-Petersburg, Ekaterina Nikita. Mit ihr arbeite ich bereits öfter zusammen – sie illustrierte auch meine vorherigen Bücher, darunter „Die Cranberries-Sonne“.

Beim Veröffentlichen habe ich mit insgesamt fünf Illustratoren zusammengearbeitet, darunter auch russlanddeutsche Künstlerinnen wie Margarita Belon, Polina Gaiwert und Anastassia Muchina. Ich lernte viele von ihnen 2011 auf einem Seminar in Peredelkino kennen, bei dem Künstler und Schriftsteller – Mitglieder der Künstlervereinigung der Russlanddeutschen zusammentrafen. Mit einigen arbeite ich bereits seit fünfzehn Jahren zusammen.

Erzählen Sie uns kurz von der kommenden Buchpräsentation – was erwartet die Gäste? Warum sollten sie unbedingt kommen?

Ich werde traditionell Gedichte aus dem neuen Band vortragen und Fragen beantworten. Der Abend wird durch Akkordeonmusik ergänzt, mit Kompositionen des bekannten Komi-Komponisten Jakob Perepeliza, über den es auch Zeilen im Buch gibt. Außerdem erwartet das Publikum ein kleines Konzert mit nationalen Liedern über unsere Republik, Tanzeinlagen professioneller Künstler sowie eine Ausstellung von Gemälden Swetlana Karpunitschewa, die hauptsächlich chinesischen und japanischen Motive zeigen. Auch ein kleines geografisches Gewinnspiel ist geplant. Am Ende können alle Interessierten das Buch kaufen, nach Wunsch mein Autogramm bekommen und in einer Fotoecke, die mit Unterstützung von Sabina Bradauskajte, der Sponsorin des Buches und Expertin für moderne Etikette, Geschäftsprotokoll und interkulturelle Kommunikation, gestaltet wurde, fotografieren.

Ich freue mich darauf, alle am 30. April um 17:30 Uhr im Zentrum der Komi-Kultur zu sehen.

Zum Abschluss: Woran arbeiten Sie aktuell? Haben Sie Ideen für Ihren Jubiläumsband, den zehnten Gedichtband?

Ja, ich habe bereits fünf neue Gedichte – einen Frühlingszyklus, den ich vorläufig „März-Zyklus“ nenne. Es sind Gedichte über das alte Griechenland, bei denen ich Motive aus der griechischen Mythologie neu interpretiere – Baumwurzeln, Zentauren, Riesen – und verwebe sie mit der Gegenwart. Ich plane, mich mit russischem Rock auseinanderzusetzen und an Künstler wie Alexander Baschlatschew, Waleri Kipelow und die Bands „DDT“ und „Alisa“ zu erinnern. Ich arbeite also daran, und eine neue Sammlung wird voraussichtlich bald erscheinen.


Zur Kenntnis:

Paul Blume wurde 1983 in Syktywkar geboren. Er schloss sein Studium an der Fakultät für Philologie und Medienkommunikation der Staatlichen F.-M.-Dostojewski-Universität in Omsk ab. Er ist Mitarbeiter des Produktionszentrums „Wsempoezii.rf“ (russ. „Всемпоэзии.рф“), Leiter des Literaturclubs „Metaphora“ in Syktywkar und Finalist sowie Preisträger nationaler und republikanischer Lyrikwettbewerbe, darunter der Wettbewerb „Pokrowskji-Kathedrale“ und der Lyrikwettbewerb „Neue Stimmen“. Seine Werke erschienen unter anderem in der Online-Zeitschrift „Vsempoezii“, in den Anthologien „LitStart“, „Wiederbelebter Glanz“ (Deutschland) und „ParOm“ sowie in den Zeitschriften „Periscope“, „Preodolenie“ (Serbien) und „Republik Abchasien“.


Lesen Sie außerdem ein Interview mit Paul Blume über sein Werk und seine Gedichtsammlung „Die Cranberries-Sonne“ auf unserer Webseite.