Dmitri Geweiler ist ein Petersburger Maler, Dozent und Mitglied des Künstlerverbandes Russlands. Sein Werk ist von einem feinen „europäischen Code“ durchdrungen. Doch hinter seiner akademischen Meisterschaft verbirgt sich ein langer Weg zur eigenen Identität: von Kindheitsahnungen wegen seines seltenen Nachnamens bis hin zu offenen Gesprächen mit den eigenen Kindern über die tragische Vergangenheit der Vorfahren. Nach dem jüngsten Art-Labor des Internationalen Verbandes der deutschen Kultur in der Wolgaregion sprachen wir mit Dmitri darüber, warum es im Atelier unmöglich ist, so intensiv wie beim Freiluft-Plenair im Kreis von Kollegen zu arbeiten, wie kommerzielle Vermietung und blickdichte Zäune die einzigartige Architektur Saratows entwerten und warum Bilder von Künstlern das historische Gedächtnis buchstäblich „zementieren“ können.
Dmitri, Sie leben und arbeiten in Sankt Petersburg, haben die Repin-Akademie der Künste mit ihrer enorm starken Schule absolviert, und Ihre Werke sind Kunstliebhabern bestens bekannt. Heute möchten wir jedoch über eine andere wichtige Facette sprechen. Ihr Nachname – Geweiler – fällt sofort ins Auge. Erzählen Sie uns, woher Ihre deutschen Wurzeln stammen? Gab es in Ihrer Familie bereits Maler oder Handwerker, in deren Fußstapfen Sie getreten sind?
Wissen Sie, in unserer Familie gab es vor mir überhaupt keine Menschen in kreativen Berufen. Seit der Einwanderung nach Russland unter Katharina II. lebten all meine Vorfahren in Strelna bei Petersburg und bewirtschafteten das Land. Alles änderte sich im Jahr 1941, als die deutsche Bevölkerung deportiert wurde. Die Familie wurde in die Arbeitsarmee und in die Sondersiedlungen verschickt – nach Altai und Baschkirien. Die Schicksale aller Beteiligten verliefen ganz unterschiedlich: Manche kamen in jenen harten Jahren ums Leben, andere blieben nach der Aufhebung der Beschränkungen in der neuen Heimat leben. Doch mein Vater träumte immer davon, zu den Ursprüngen zurückzukehren. Es gelang ihm, nach Leningrad zu kommen, sich an der Polytechnischen Universität einzuschreiben, und so kehrte unser Familienzweig an die Küste des Finnischen Meerbusens zurück.
Von Beruf war mein Vater Ingenieur, aber genau er wurde zu meiner Brücke in die Kunst. Da er merkte, dass ich ständig zeichnete, brachte Papa meine Kinderarbeiten selbst in die Kunstschule. Auch er selbst fühlte sich sein Leben lang zum Kreativen hingezogen – er schrieb Drehbücher, sang und arbeitete in der zweiten Hälfte seiner Karriere als Chefingenieur am Lensowet-Theater. Für meinen Lebensweg in der Kunst bin ich also genau ihm dankbar.
Nach der Kunstschule kam ich in mein Metier, und ich wurde von dieser Welle förmlich mitgerissen: die Leningrader Kunstfachschule, die Akademie der Künste, der Künstlerverband... Meinen Eltern blieb nur übrig, mich zu unterstützen und meine Ausstellungen zu besuchen.
Heute setzt sich diese generationenübergreifende Kontinuität fort: Das fruchtbare Korn, das mein Vater einst gesät hat, hat tiefe Wurzeln geschlagen.
Es ist wunderbar, wenn Familienmitglieder dieselbe Sprache sprechen. Ihre Ehefrau gehört ja ebenfalls der Kunstszene an, und Ihre Kinder haben ihr Leben mit der Kunst verbunden. Erzählen Sie uns, wie es ist, in einem so großen Verbund kreativer Menschen zu leben?
Ja, wir haben ein absolut kreatives Zuhause. Meine Frau hat die Sankt Petersburger Staatliche Stieglitz-Akademie für Kunst und Industrie absolviert, sie ist Designerin. Und unsere drei Kinder sind ebenfalls den künstlerischen Weg gegangen. Unser ältester Sohn hat zwar die Musikschule im Fach Klavier abgeschlossen, erwies sich aber als viel pragmatischer als wir (lächelt). Er hat die Perspektiven der akademischen Musik nüchtern eingeschätzt und einen gefragten Beruf gewählt – er ließ sich zum Toningenieur ausbilden. Jetzt arbeitet er mit Ton und Computertechnologien, hat sein eigenes Tonstudio eröffnet, und elektronische Musik schreibt er nur noch für die Seele, zur Selbstentfaltung. Er muss keine Kompromisse für den Lebensunterhalt eingehen. Er ist ein tief kreativer Mensch geblieben und geht seinen eigenen, modernen Weg.
Der mittlere Sohn hat ebenfalls die Musikschule absolviert. Er ist künstlerisch aktiv und schreibt eigene Songs. Die jüngste Tochter hat sowohl die Musik- als auch die Kunstschule abgeschlossen und studiert im letzten Jahr an der Roerich-Kunstfachschule in Sankt Petersburg. Sie beschäftigt sich mit Design und malt ebenfalls viel in Öl. Bei uns zu Hause hat also wirklich jeder seinen eigenen Weg in der Kunst gefunden.

In diesem Jahr nahm die Ehefrau von Dmitri, die Designerin Lilia Geweiler, zum ersten Mal an dem Art-Labor teil / Foto: Anna Bondarenko
Es ist großartig, wenn jeder in der Familie seinen eigenen, einzigartigen Vektor hat. Ihr persönlicher Orientierungspunkt wurde neben der klassischen Malerei ab einem bestimmten Moment auch die Zuwendung zur Familiengeschichte. Erzählen Sie, wie diese Wurzeln Sie zum Internationalen Verband der deutschen Kultur und zur Künstlervereinigung der Russlanddeutschen geführt haben? Womit begann dieser Weg?
Wissen Sie, alles war reiner Zufall. In der Sowjetzeit war das Thema der repressierten Deutschen ein Tabu. Mein Vater hatte sein Leben lang große Angst und war ein äußerst vorsichtiger Mensch, weshalb wir Informationen über die Vergangenheit nur häppchenweise bekamen.
In meinem sowjetischen Pass stand in der Spalte „Nationalität“ das Wort „Russe“. Aber ich habe immer gespürt, dass ich mich von meinen Gleichaltrigen im Verhalten und in der inneren Weltwahrnehmung unterscheide. Ich stellte mir die Frage: „Was bin ich denn für ein Russe? Es gibt keine Russen mit solchen Nachnamen!“
Schritt für Schritt trug ich die Wahrheit zusammen. Einiges hatte mein Großvater noch erzählen können, Tanten aus Ufa teilten ihre Erinnerungen, und ein Onkel aus Deutschland begann, Informationen über unsere Namensvettern auf der ganzen Welt zu schicken. In den neunziger Jahren wagte mein Vater endlich, nach Familiendokumenten zu suchen, und wandte sich an die Petrikirche am Newski-Prospekt. Dank seiner Suche erfuhr ich von der Existenz der Gemeinschaft der Russlanddeutschen, und in den Nullerjahren kam ich selbst in die Kirche. Dort lernte ich den Leiter der deutschen Gemeinde in Petersburg, Iwan Prejs, kennen. Wir freundeten uns sehr an. Er half dabei, in unserer Stadt einen echten Club meiner Namensvettern ins Leben zu rufen, und erzählte mir zum ersten Mal vom Internationalen Verband der deutschen Kultur, wobei er vorschlug, Kontakt mit Moskau aufzunehmen.
Ich reichte eine Bewerbung ein, und 2012 wurde ich zu meinem ersten Projekt eingeladen. Anfangs fühlte ich mich unsicher und verstand nicht, was ich mit all dem zu tun hatte. Doch in den vergangenen Jahren habe ich an vielen weiteren Projekten teilgenommen, bin älter und ruhiger geworden und habe schließlich den tiefen Kern dieser Bewegung begriffen. Sie hat mir die lang ersehnte Klarheit gesenkt. Meine Kinder haben diese Ungewissheit in der Frage nach den eigenen Wurzeln, die ich damals hatte, nicht mehr.

Stanislaw, der Sohn von Dmitri Geweiler, bei der Eröffnung der Ausstellung „Erbe in Farben“ im Deutsch-Russischen Haus in Moskau / Foto: Fotoarchiv des IVDK
Mir liegt das ethnokulturelle Konzept der Künstlervereinigung der Russlanddeutschen sehr am Herzen, ebenso wie der achtsame Umgang mit der Geschichte und Kultur der Russlanddeutschen hier. In meinen eigenen Techniken, Methoden und künstlerischen Vorlieben lässt sich die europäische Herkunft wiederfinden. Meine deutschen Wurzeln übertragen sich auf die Leinwand, vermischen sich mit der starken russischen akademischen Schule, und es entsteht eine fantastische gegenseitige Bereicherung. Die Künstlervereinigung ist für mich der ideale Raum geworden, in dem professionelles Wachstum, ehrliche menschliche Begegnungen und das Bewahren der Erinnerung harmonisch zusammenfließen.
Das Projekt, das Sie erwähnt haben, wurde zum allerersten Art-Labor des Internationalen Verbandes der deutschen Kultur in Marx. Seitdem sind Sie mehrfach in die Wolgaregion zurückgekehrt. Auf Ihren früheren Leinwänden (man denke nur an die ergreifende Kirche in Warenburg) haben Sie das Drama der Zeit sehr intensiv vermittelt. Wie beeinflussen die persönliche Erinnerung und Ihre Petersburger Erfahrung das, was Sie in den ehemaligen deutschen Kolonien sehen?
Ehrlich gesagt ist mir jenes Art-Labor am meisten in Erinnerung geblieben, als wir verlassene deutsche Kirchen direkt in den Steppen gemalt haben, wo einst große, blühende Siedlungen lagen.
Es hat mich zutiefst beeindruckt, wie mitten in der Steppe plötzlich eine majestätische Kirche aufragt – genau so riesig wie unsere Petrikirche im Zentrum von Petersburg am Newski-Prospekt. Bei diesem Anblick empfindet man eine unglaubliche Ergriffenheit. Mit den Kirchen in den Steppen ist die Situation schließlich kompliziert, und das erfordert enorme Aufmerksamkeit. Meines Erachtens ist eine Rettung dieser Kirchen in Russland nur möglich, wenn sich die Museums- und Kulturlandschaft ernsthaft des Erhalts der Architektur annimmt.

Dmitri Geweiler. „Lutherische Kirche in der ehemaligen deutschen Kolonie Warenburg“. 2016. Öl auf Leinwan / Foto: Fotoarchiv des IVDK
In der Wolgaregion beeindrucken auch das Land selbst und das Ausmaß der Tragödie, die sich hier abgespielt hat. Uns wurde erzählt, dass nach der Deportation der Deutschen im Jahr 1941 rund 95 Prozent dieser fruchtbaren Böden von heute auf morgen verlassen wurden und brachlagen, wodurch sie verwilderten. Erst in den siebziger Jahren begann man, sie neu zu erschließen.
Wenn man auf dieser Erde steht, sich vorstellt, was hier passiert ist, und diese robusten alten Häuser sieht – dann nimmt man sie als echte Denkmäler jener Zeit wahr. Natürlich verarbeitet man so gewaltige Eindrücke nicht sofort im Kopf. Das echte Verständnis der Geschichte kommt erst mit der Zeit, wenn man mehr liest und mit den Menschen spricht.
Vor Kurzem ging das diesjährige Art-Labor zu Ende. Erzählen Sie uns, welche Objekte Sie dieses Mal gemalt haben und mit welchen Eindrücken Sie von den Plenairs zurückgekehrt sind?
Dieses Mal haben wir direkt in Saratow gearbeitet. Und wissen Sie, die Gebäude der Profanarchitektur, die ich dort gezeichnet habe, sind alle erhalten; heute werden diese Gebäude in der Stadt aktiv genutzt. Mein Motiv war beispielsweise die prachtvolle Villa von Iwan Schmidt, einem Vertreter der berühmten deutschen Dynastie der „Melonen- und Getreidekönige“ der Wolgaregion. Heute befindet sich darin die regionale Kunstfachschule – das Gebäude ist vollständig restauriert, wird beheizt, Studenten werden dort unterrichtet, und in diesen jahrhundertealten Mauern setzt sich das lebendige kreative Leben fort.
Doch diese historische Atmosphäre Saratows geht oft in einer chaotischen Mischung aus sowjetischen Bauten sowie der Architektur der neunziger und Nullerjahre verloren. Diese wunderschönen alten Häuser aus dem 19. Jahrhundert erinnern mich mit ihrer kraftvollen und ästhetischen Architektur stark an meine heimatliche Petrograder Seite oder die Wassiljewski-Insel. Doch während man das Zentrum in Petersburg behutsam bewahrt, malt man hier beim Plenair eine einzigartige Villa, während direkt dahinter ein klobiges, graues Mehrfamilienhaus aus Sowjetzeiten mit Balkonen aufragt. Wenn man um sie herum wenigstens freien Raum gelassen hätte!

Die Teilnehmer des Art-Labors bei einer Führung durch die historischen Stätten der Wolgaregion /Foto: Anna Bondarenko
Zudem stoßen wir in der Stadt selbst oft auf eine andere Misere des Erbes – die kommerzielle Vermietung und das Privateigentum. Die Gebäude werden zwar nicht abgerissen, aber ihr Erscheinungsbild wird stark entstellt. Ich hatte Gelegenheit, die berühmten Mühlen und Speicher der Kaufleute Schmidt am Wolgaufer zu malen. Es tut natürlich weh zu sehen, was jetzt mit diesem Denkmal geschieht. Die neuen Mieter haben die Hälfte des Gebäudes oben mit braunem Kunststoff und Glas verkleidet, um eine Restaurantterrasse einzurichten. Durch solche Umbauten ist die Hälfte der einzigartigen Fassade nicht mehr zu sehen.
Bei einem anderen historischen Haus stießen wir beim Plenair auf eine noch absurdere Situation – man hat uns dort einfach nicht hineingelassen. Wir klopften an blickdichte Eisentore, aber das Gelände war abgeriegelt. Die Bewohner haben den alten, gemeinschaftlichen Innenhof in eine geschlossene private Datscha mitten in der Stadt verwandelt: Sie haben den Durchgang verbarrikadiert, Klimaanlagen installiert und Wände durchbrochen. An das Baudenkmal kommt man nun nicht einmal mehr heran, wenn man eine Stadtführung zu Fuß anbieten möchte.
Meiner Meinung nach wurde seither nichts Schöneres mehr in Saratow gebaut, und es ist sehr traurig, das Gesicht der Stadt durch Plastik und blickdichte Zäune zu verlieren.
Ist es Ihnen gelungen, die Leinwände direkt vor Ort fertigzustellen, oder wartet nun in Ihrem Petersburger Atelier ein langer Prozess der Nachbearbeitung auf Sie? Und wie sieht Ihre persönliche Arbeitsmethode beim Plenair aus?
Die Villa konnte ich vollständig fertigstellen und habe es dem Projektteam überlassen. Mit der zweiten Leinwand bin ich jedoch nach Sankt Petersburg zurückgekehrt und werde sie im Atelier nachbearbeiten. Man hat uns sehr komfortable Fristen bis Oktober eingeräumt, sodass die Zeit völlig ausreicht.
Was die Methode selbst betrifft, so ist es physisch unmöglich, eine große Leinwand im Format 60 mal 80 direkt beim Plenair zu malen, während man in der prallen Sonne sitzt – da riskierte man schlicht einen Sonnenstich. Die professionelle akademische Schule lehrt etwas anderes: In der Natur wird eine kleine Ölstudie (etwa 20 mal 30) gemalt, in der man die reale Farbe des vertrockneten Grases, des besonderen Steins an den Mauern, des leuchtenden Wolgahimmels und der starken Sonnenkontraste „einfängt“. Früher zeichneten Künstler jedes Detail mit dem Bleistift, da sie keine Kameras hatten. Heute haben Technologien diese Frage erübrigt: Wir machen Fotos, um einfach die Plastizität des Stucks oder das Backsteinmauerwerk nicht zu vergessen. Im Atelier führt man dann seine Naturbeobachtungen aus der Studie, die Fotos und den persönlichen künstlerischen Stil zusammen, sodass ein handwerklich solides, vollendetes Gemälde entsteht. So haben alle großen Landschaftsmaler gearbeitet.
Es scheint, als verwandelten sich Plenairs manchmal in eine ernsthafte Belastungsprobe. Wie schwierig ist es, in einem so intensiven Format kreativ zu sein? Und wie hat es auf Sie gewirkt, dass Kollegen aus verschiedenen Regionen Seite an Seite gearbeitet haben – entstanden in diesem Austausch neue Impulse?
Wissen Sie, der lebendige Austausch unter den Künstlern ist vielleicht das Wichtigste an dem gesamten Projekt.
Im Alltag ist es praktisch unmöglich, eine solche Riege von Meistern aus den verschiedenen Ecken des Landes – Moskau, Krasnojarsk, Jekaterinburg und Petersburg – an einem Ort zusammenzubringen. Sie alle sind Menschen mit einer fundierten akademischen Ausbildung, viele unterrichten selbst oder sitzen in den Vorständen von Künstlerverbänden. Und obwohl wir alle die einheitliche russische Kunstschule repräsentieren, gibt es in jeder Region eigene, einzigartige Nuancen, Traditionen und Schulen. Diesen Erfahrungsschatz zu teilen und zu sehen, wie andere arbeiten, ist ein kolossales Vergnügen.
Zudem spornt eine solche Nachbarschaft ungemein an. Künstler ähneln in dieser Hinsicht Schauspielern: Jeder möchte vor den Kollegen eine gute Figur machen. Wenn man beim Plenair neben einem Meister auf demselben Niveau steht, entsteht ein produktiver, kollegialer Wettbewerb. Im Atelier wird man niemals so fokussiert und innerlich angespannt sein wie hier. In dieser Hinsicht haben sich die Organisatoren des Projekts alles sehr gut überlegt.
Nach Abschluss der Art-Labore werden traditionell Wanderausstellungen im ganzen Land organisiert. Was sollte letztlich die Kernbotschaft Ihrer Bilder sein, und wie sehen die nächsten Schritte für die Entwicklung des Projekts aus?
Bei solchen Laboratorien ist es für uns Kulturschaffende von entscheidender Bedeutung, den Fokus auf dem Schöpferischen zu halten. Unsere Aufgabe ist es, über das Schöne zu sprechen und die Aufmerksamkeit der Gesellschaft auf das historische Gedächtnis zu lenken.
In diesem Kontext besteht das Hauptziel unserer Bilder darin, die einzigartige Architektur der Wolgaregion festzuhalten und zu bewahren, um anschließend durch Ausstellungen in aller Öffentlichkeit von dieser Geschichte zu erzählen. Hierbei würde, so scheint es mir, die Abschlussausstellung direkt vor Ort eine Schlüsselrolle spielen. Für die Zukunft wäre es großartig, dieses Format weiter auszubauen und direkt in der Region ein großes museales Niveau anzustreben, solange die Künstler noch vor Ort sind. Dies würde den perfekten Anlass für einen direkten, konstruktiven Dialog zwischen Autoren, Medien und Verwaltung bieten, um anschaulich vor Augen zu führen, dass diese jahrhundertealte deutsche Architektur einen kolossalen kulturellen Wert darstellt und bereits fertige Ausflugsrouten bietet.
Um diese Erinnerung für die Zukunft zu bewahren, ist es von großer Bedeutung, nach jeder Saison einen gedruckten Katalog oder Bildband mit Reproduktionen, den Namen der Künstler und den genauen Bezeichnungen der Denkmäler herauszugeben. Zukünftige Teilnehmer können diese Publikation aufschlagen und sehen, wie diese Orte vor ihnen gemalt wurden. So entsteht eine lebendige Verbindung zwischen den Generationen – zweifellos ein wesentlicher Bestandteil jeder professionellen Fachgemeinschaft. Zudem sind solche Alben ein hervorragendes Instrument der Aufklärung. Man sollte sie der Stadtführung, Museen und Behörden schenken, um das kulturelle und touristische Potenzial der Region anschaulich aufzuzeigen.
Das Verständnis für eine so komplexe Vergangenheit braucht Zeit, aber der Internationale Verband der deutschen Kultur und die Künstlervereinigung der Russlanddeutschen haben einen absolut richtigen, edlen Weg gewählt. Die künstlerische Dokumentation dieser Objekte, die Wanderausstellungen und die Veröffentlichung von Büchern helfen dabei, den Geist der Zeit einzufangen. Jener tiefe historische Riss, der in der Vergangenheit entstanden ist, wird heute durch die Kraft der Künstler buchstäblich zementiert und restauriert. Ich bin den Organisatoren für dieses Projekt von ganzem Herzen dankbar und wünsche dem Art-Labor, dass es seine große Mission fortsetzt und unser kulturelles Erbe für zukünftige Generationen bewahrt.

