Ein gutes Kinderbuch zu schreiben, ist eine echte Meisterleistung: Es muss die Kleinen fesseln und gleichzeitig Erwachsenen Tiefgang bieten. Dem Autor Artur Mader ist genau das gelungen. Seine Neuerscheinung „Geschichten des Katers Bücherknurr“ (russ. „Skasy kota Knischemura“) erobert bereits die Herzen der ersten Leser.

Für den Autor erweist sich das Frühjahr als äußerst produktiv. Die Veröffentlichung seines Buches steht kurz vor der Verleihung des Ehrenpreises „Das Zeichen des vierten Sterns“. Diese Auszeichnung ehrt Schriftsteller und Dichter, deren Werk das Publikum tief bewegt und die zeitgenössische Literaturlandschaft maßgeblich prägt.

Wie die Figur des Katers Bücherknurr zum Leben erweckt wurde, wie es sich anfühlt, für das ehrlichste und anspruchsvollste Publikum zu schreiben, und was dem Autor diese Auszeichnung bedeutet – erfahren Sie in unserem Interview.

Herr Mader, worum geht es in Ihrem neuen Buch? Und was ist die Kernbotschaft, der Leitgedanke, den Sie Ihren Lesern vermitteln möchten?

Alles, was ich schreibe, handelt von christlicher Nächstenliebe, Barmherzigkeit und Güte. Das Ziel dieses Buches ist es, schon den Kleinsten christliche Werte näherzubringen. Außerdem wünsche ich mir, dass Kinder von ihren Bildschirmen wegkommen, den Blick auf die Welt um sie herum richten, sie lieben lernen und beginnen, sie zu erforschen. In den „Geschichten des Katers Bücherknurr“ gibt es zum Beispiel eine Erzählung über die Freundschaft zwischen dem kleinen Regenwurm Wasja und den Regentropfen. Kinder sollten wissen und darauf aufmerksam werden, dass Regenwürmer bei Regen aus der Erde kriechen und eine rötliche Färbung haben. Bei meinem Enkel Arsenij, den man sonst nur schwer von seinen Gadgets wegbekommt, hat es funktioniert. Er hat ganz aufmerksam zugehört! Und er hat sich sogar schon eine Fortsetzung über kleine Spinnen gewünscht. Ich hoffe, das Buch wird bei anderen jungen Lesern auf ebenso großes Interesse stoßen.

Die Geschichten im Buch werden aus der Perspektive des Katers erzählt. In der Zusammenfassung wird erwähnt, dass Puschkins gelehrter Kater das Vorbild für die Hauptfigur war – Sie haben sich also auf einen russischen Klassiker bezogen. In der deutschen Literatur gibt es jedoch einen ebenso berühmten Kater: Kater Murr aus Ernst Theodor Amadeus Hoffmanns Roman „Lebens-Ansichten des Katers Murr“. Sagen Sie, haben Sie sich vielleicht auch von dieser Figur inspirieren lassen?

Die deutsche Literatur liegt mir sehr am Herzen – die Brüder Grimm, Wilhelm Hauff, Johann Wolfgang von Goethe, Heinrich Heine, Friedrich Schiller… In meiner Kindheit habe ich Hoffmanns Märchen geliebt, und sein Kater Murr ist überhaupt mein absoluter Lieblingskater. Wahrscheinlich liegt es in den Genen: Ich habe es einfach so empfunden und wollte, dass ausgerechnet ein Kater der Erzähler in meinem Buch ist. Da ich aber für ein russisches Publikum geschrieben habe, wandte ich mich Alexander Puschkin zu – einem der größten russischen Klassiker, der unter anderem auch Märchen für Kinder verfasst hat. Sie alle sind voller Liebe zu Kindern, aufrichtiger Wärme und erziehen die Kleinen zu den gütigsten und hellsten Gefühlen, ganz ohne moralisierenden Zeigefinger. Aber Kater Murr hat im Hintergrund trotzdem leise mitgeschnurrt (lacht).

Maxim Samschew, der Chefredakteur der „Literarischen Zeitung“ (russ. „Literaturnaja Gaseta“), hat mich in seiner Rezension zu meinem Buch einmal als „deutschen Märchenerzähler russischer Prägung“ bezeichnet. Ich denke, genau so ist es auch.

Artur Mader bei der Präsentation eines seiner Bücher

Artur Mader bei der Präsentation eines seiner Bücher

Wie ist er denn, Ihr Kater Bücherknurr?

Vor einiger Zeit gab es in unserem Verlag „Tschetyre“ („Vier“) einen Wettbewerb mit der Aufgabe, zu beschreiben, wer oder was „Knishemur“ eigentlich ist. Sehr viele sahen in ihm einen herzlichen, sonnigen Kater, der Kinder über alles liebt. Ich gehörte auch dazu. Und so wurde mein Bücherknurr (russ. „Knishemur“) genau so geboren, wie er sich im ersten Gedicht vorstellt, das das Buch eröffnet. Sein Vorbild ist Kater Bajun – der Märchenkater, auf den sich auch Puschkin bezog. Das altrussische Wort „bait“ bedeutet erzählen oder in den Schlaf wiegen. Er ist ein Kater, der Geschichten erzählt. Bücherknurr ist ebenfalls ein Kater und ein Erzähler. Deshalb hat er einen so namhaften Vorfahren – Kater Bajun. Er ist genauso weise, strahlend und herzlich. Zusammen mit Weisheit und Wissen bringt er den Kindern Wärme und Liebe nahe und prägt ganz behutsam ihre reinsten und gütigsten Gefühle.

Das Buch enthält sowohl Lyrik als auch Prosa. Woher wissen Sie, in welcher Form eine Geschichte am besten erzählt werden sollte, und woher schöpfen Sie Ihre Ideen?

Warum eine Geschichte zu einem Gedicht wird und eine andere zu einer Erzählung, lässt sich schwer erklären. Das geschieht ganz von selbst, rein intuitiv. Die Ideen entstehen aus Beobachtungen: Ich schaue mir die Welt um mich herum einfach sehr aufmerksam an. Wenn ich mich zum Schreiben hinsetze, ist es oft so, als würde mir der Text von oben diktiert – alles entsteht sehr leicht und natürlich.

Wurden die Texte speziell für dieses Buch verfasst, oder ist das Werk aus Ihren früheren Arbeiten zusammengewachsen?

Ich habe in diesem Buch im Grunde das zusammengeführt, was ich im Laufe der Zeit geschrieben hatte.

Übrigens sind „Geschichten des Katers Bücherknurr“ ein Gemeinschaftsprojekt mit Julia Sagorujko. Sie ist Schriftstellerin, Lyrikerin, Pädagogin und professionelle Künstlerin sowie Mitglied des Internationalen Verbandes der Kunstpädagogen. Die Texte stammen von mir, während sie die wunderschönen Illustrationen beigesteuert hat – mit Ausnahme des Covers.

Illustrationen aus dem Buch „Geschichten des Katers Bücherknurr“, Künstlerin: Julia Sagorujko

Illustrationen aus dem Buch „Geschichten des Katers Bücherknurr“, Künstlerin: Julia Sagorujko

Dies ist nicht Ihr erstes Buch für ein junges Publikum; zuvor sind bereits mehrere Bände mit Kindergedichten von Ihnen erschienen. Sagen Sie, für wen schreibt es sich einfacher und interessanter – für Erwachsene oder für Kinder? Und worin liegt die größte Herausforderung bei der Arbeit für ein junges Publikum?

Es ist zweifellos einfacher, für Erwachsene zu schreiben. Kinder spüren Falschheit und Lieblosigkeit sofort. Für sie zu schreiben, ist die absolute Königsdisziplin. Dafür braucht es ein ganz besonderes Geheimnis: aufrichtige Liebe, Einfachheit, Wärme und die Fähigkeit, die Welt mit Kinderaugen zu sehen. Ohne das wird es kein gutes Buch. Meine feste Überzeugung ist: Mit jungen Lesern muss man immer ehrlich, wahrhaftig und von ganzem Herzen sprechen, um sie Schritt für Schritt an etwas Höheres heranzuführen.

Sie haben vorhin Ihren Enkel Arsenij erwähnt. Ist er Ihr wichtigster Kritiker, an dem Sie neue Werke „testen“? Und wie merken Sie überhaupt, ob eine Geschichte bei den Kindern ankommt?

Alle meine Enkelkinder lesen meine Geschichten mit großer Begeisterung. Das Manuskript zu den „Geschichten des Katers Bücherknurr“ habe ich zum Beispiel Eva und Viktor vorgelesen. Viktor, der jetzt elf Jahre alt ist, hat das Werk streng und professionell bewertet und gesagt: „Für Siebenjährige taugt das.“ An so einer ehrlichen und lebendigen Reaktion merke ich, dass eine Geschichte voll ins Schwarze getroffen hat.

Ein gutes Kinderbuch ist immer vielschichtig: Kinder sehen darin die Abenteuer, während die Erwachsenen, die es ihnen vorlesen, einen tiefen Subtext wahrnehmen. Gibt es in Ihrem Buch versteckte Botschaften, die sich gezielt an die Eltern richten?

Ich baue nicht bewusst bestimmte Bedeutungen ein und richte mich an niemanden speziell. Ich schreibe einfach vom Herzen. Ob es dort versteckte Zwischentöne gibt… Vielleicht, aber das steht mir nicht zu, das zu beurteilen. Aus Erfahrung weiß ich, dass meine Autorenkollegen in meinen Gedichten manchmal Tiefen entdecken, von denen ich selbst im Moment des Schreibens nicht einmal geahnt habe.

Planen Sie, zur Figur des Katers Bücherknurr zurückzukehren? Dürfen die Leser eine Fortsetzung erwarten oder ist die Geschichte abgeschlossen?

Ich plane ein Buch mit dem Titel „Die Miau-Mathematik für Vorschulkinder“ – Zählen von 1 bis 10 und von 10 zurück auf 1. Der „Autor“ ist der Bücherknurr.

Ist bereits eine offizielle Buchpräsentation für „Geschichten des Katers Bücherknurr“ geplant und wo können die Leser die Neuerscheinung kennenlernen?

Ja, die Präsentation findet bereits im Juni statt. Sie wird in Smolensk in der Bibliothek Nr. 1 stattfinden, die nach A.M. Bodrenkow benannt ist.

Zum Abschluss des Interviews möchten wir Ihnen ganz herzlich zu einem wichtigen Ereignis gratulieren. Sie wurden mit dem Ehrenpreis „Das Zeichen des vierten Sterns“ ausgezeichnet, der vom Verlag „Tschetyre“ („Vier“) und dem Literaturklub „Kreativität und Potenzial“ verliehen wird. Bald findet die Preisverleihung in Sankt Petersburg statt. Sagen Sie, was bedeutet Ihnen diese Auszeichnung persönlich und wird sie ein Ansporn für neue kreative Projekte sein?

Das ist eine hohe Anerkennung für mein Schaffen und eine große Ehre. Eine solche Würdigung bringt einen dazu, die schriftstellerische Arbeit mit noch größerer Verantwortung zu sehen. Und natürlich ist es ein Ansporn, weiterzugehen. Ich hoffe, es liegt noch viel Spannendes vor uns – sowohl Lyrik als auch Prosa und neue kreative Entdeckungen.

Die Auszeichnung „Das Zeichen des vierten Sterns“ (eine Gedenkanstecknadel in Form einer federverzierten Feder mit vier Sternen), mit der Artur Mader für sein literarisches Schaffen gewürdigt wurde

Die Auszeichnung „Das Zeichen des vierten Sterns“ (eine Gedenkanstecknadel in Form einer federverzierten Feder mit vier Sternen), mit der Artur Mader für sein literarisches Schaffen gewürdigt wurde