Das kreative Erbe der russlanddeutschen Künstler aus dem Ural, ihre Geheimnisse der Graphiktechnik und die Rolle der Kunst bei der Bewahrung der Kulturerinnerung – dies und vieles mehr stand im Mittelpunkt der „Offenen Treffen“ im Deutsch-Russischen Haus der Region Nowosibirsk. Ehrengast der Veranstaltung war der Künstler, Pädagoge, Mitglied des Künstlerverbandes Russlands sowie Koordinator der künstlerischen Richtung der Künstlervereinigung der Russlanddeutschen – Dmitri Krell. Die Besucher hatten die einzigartige Gelegenheit, sich nicht nur in die kreative Atmosphäre einzutauchen, sondern auch unter Anleitung eines erfahrenen Mentors eigene Fähigkeiten im Bereich der Graphik zu erproben. Im Rahmen der Veranstaltung wurde außerdem die Ausstellung des Künstlers „Parallelen. Linien. Bedeutungen“ eröffnet.
Meisterschaft und Pädagogik: Eintauchen in die Graphiktechnik
Dmitri Krell ist Mitglied der Internationalen Vereinigung der Bildenden Künste, Dozent am Fachbereich Stil und Image an der Russischen Staatlichen Pädagogischen Universität in Jekaterinburg sowie an der I.-D.-Schadr-Kunstschule – ein Künstler mit großreicher Erfahrung in der Lehre von Malerei und Graphik. Bei seinem Workshop „Eintauchen in die Graphiktechnik: vom ersten Strich bis zum letzten Akzent“ teilte er seine professionellen Geheimnisse mit den Teilnehmern.
Bei der Begegnung waren Studierende des Fachbereichs Design und Kunstpädagogik der Staatlichen Pädagogischen Universität Nowosibirsk sowie Vertreter des Regionalschulkollegs für Kultur und Kunst anwesend. Alle Anwesenden begannen mit einer Material- und Technik-Einführung, bevor sie sich an die Erstellung eigener Skizzen und die Suche nach Kompositionen wagten.
„Wir sprachen über technische Feinheiten, ich gab Tipps, wie man Fehler verstecken und Werke wirkungsvoller gestalten kann“, erzählt Dmitri Krell. „Die Teilnehmenden wählten eines meiner Werke zum Nachzeichnen, und gemeinsam reproduzierten wir es Schritt für Schritt.“
Das Treffen endete mit einer Diskussion über die entstandenen Werke, einem Austausch von Eindrücken sowie professionellen Ratschlägen – wobei deutlich wurde: Für den Künstler ist Kunst keine abstrakte Theorie, sondern eine lebendige Praxis, die täglich gelebt wird.
„Es war großartig! Das war nicht nur ein Treffen, sondern ein Raum für Entdeckungen, Fehler und eigene Erkenntnisse“, berichtet eine der Workshopteilnehmerinnen.
Erinnerungen an Künstler und Kulturgeschichte
Das zweite Treffen mit dem Titel „Ural-Landschaften. Erinnerungen an den russlanddeutschen Künstler“ fand in Form eines lebendigen Gesprächs statt. Dmitri berichtete über den kreativen Werdegang und die Biografien uralischer Künstler – Lew Weiber, Michael Distergeft, Anatoli Zeiser und Oleg Berngard. Er teilte persönliche Geschichten, Erlebnisse bei gemeinsamer Arbeit, Ausstellungen und Pleinairs mit Mentoren, deren Namen für die regionale Kunstszene zu Synonymen wurden, sowie ihre Werke, die untrennbar zum kulturellen Erbe des Volkes gehören.
„Ich gab den jungen Künstlern Einblicke in die Feinheiten der Ausführung, die diese Meister verwendeten“, so Dmitri.
Auch das Gespräch berührte die ewigen Werte: Wie die Kunstbildung zur Brücke zwischen den Epochen wird und wie in der Werkstatt nicht nur ein Bild entsteht, sondern auch Erinnerung – ein entscheidendes Element der kulturellen Identität. Diese Diskussion half zu verstehen, wie die uralische Kunsttradition gebildet wurde, welche Themen und Motive für die russlanddeutschen Künstler wichtig waren und wie ihre Kunst in den gesamtstaatlichen Kulturprozess eingebettet war.
Die persönliche Ausstellung „Parallelen. Linien. Bedeutungen“
Ein besonderer Höhepunkt der „Offenen Treffen“ war die Präsentation der persönlichen Ausstellung „Parallelen. Linien. Bedeutungen“ – ein lebhafter Austausch über Bildende Kunst, ihre Sprache und Fähigkeit, auf nonverbale Weise mit dem Menschen zu kommunizieren.
„Parallelen ist meine Arbeit, in der mehrere Techniken parallel zueinander verlaufen – Malerei und Grafik, wobei letztere gedruckte Grafiken, Linolschnitt und Radierung umfasst“, erklärt Dmitri Krell.
In der Ausstellung sind Originalgraphiken, Werke in Mischtechnik, Linolschnitte und Bleistiftporträts zu sehen. Man begegnet Landschaften aus Russland und Deutschland, den berühmten Treppengärten Petersburgs, charakteristischen menschlichen Figuren sowie dekorativen Exlibris im ethnischen Stil – Arbeiten, die unterschiedlich in Stimmung und Form sind, aber durch eine gemeinsame künstlerische Handschrift verbunden sind.
Besondere Ausdruckskraft verleiht der Ausstellung die Monochromie und die lebendige, wandelbare Linie. Sie fängt den Raum auf dem Blatt ein, bestimmt den Rhythmus, übermittelt Stimmung und zeigt, wie Graphik nicht nur präzise, sondern auch höchst emotional sein kann.
„Ich freue mich, dass jedes Thema bei den Besuchern Interesse geweckt hat. Viele kamen auf mich zu, fragten nach Landschaften, Porträts und Druckgrafik“, teilt der Künstler mit.
Die Besucher konnten nicht nur die Werke bestaunen, sondern auch mit dem Künstler sprechen, für den Kunst mehr ist als nur Kreativität – sie ist auch eine Ausbildung, eine Form kultureller Erinnerung und eine Verbindung zwischen den Generationen.
Die Ausstellung „Parallelen. Linien. Bedeutungen“ ist im Deutsch-Russischen Haus der Region Nowosibirsk bis zum 29. Mai zugänglich.
Kunst als Brücke zwischen Menschen und Kulturen
Dank Dmitri Krell, seiner künstlerischen Kompetenz und seinen Erzählungen konnten die Teilnehmer verstehen, wie Kunst hilft, Erinnerungen zu bewahren, Traditionen zu vermitteln und Menschen zu verbinden. Diese Treffen bestätigen einmal mehr: Kreativität ist nicht nur ein auf die Leinwand gebanntes Bild, sondern auch eine Brücke zwischen Epochen, Menschen und Kulturen.
Die „Offenen Treffen“ werden vom Internationalen Verband der deutschen Kultur im Rahmen des Förderprogramms der Russlanddeutschen in der Russischen Föderation durchgeführt.
Mehr Fotos von der Veranstaltung finden Sie in der Galerie der Gruppe des Deutsch-Russischen Hauses der Region Nowosibirsk in „VKontakte“.





