Mitte März fand im Deutsch-Russischen Haus in Nowosibirsk im Rahmen des Projekts „Art-Tour“ sowie der Werkstatt für russlanddeutsche Jugendliche aus dem Gebiet Nowosibirsk eine Reihe von Workshop-Veranstaltungen statt, die dem 135. Geburtstag von Matwei Maniser und dem künstlerischen Erbe der berühmten Maniser-Dynastie gewidmet waren. Als Gastsprecherin trat die Kunsthistorikerin Daria Woronina auf – eine leidenschaftliche Vermittlerin der Kunst und Forscherin der kreativen Werke der russlanddeutschen Künstler.

Der kreative Weg der Familie Maniser erstreckt sich über beinahe ein und halb Jahrhunderte. Ihr Name ist fest verbunden mit der Geschichte der russischen Kunst und vor allem mit der Entwicklung der Skulptur des 20. Jahrhunderts, geprägt von meisterlicher Technik und ausdrucksstarken Formen.

„Die Maniser sind nicht nur bedeutende Meister ihres Fachs, sondern eine echte Dynastie. In der Kunstgeschichte ist das Phänomen der Dynastien einzigartig“, betont Daria Woronina.

Nach ihrer Aussage werden in solchen kreativen Familien nicht nur Fachwissen und Techniken tradiert, sondern auch eine besondere Weltsicht und ein einzigartiger Blick auf die Kunst. Wer in einer solchen Familie aufwächst, lebt von Kindesbeinen an in einem bestimmten kulturellen System, in dem Kreativität Teil des alltäglichen Lebens ist.

Matwei Maniser (1891–1966), Volkskünstler der UdSSR und Träger zahlreicher Staatspreise, wird vor allem durch seine monumentalen Projekte in Erinnerung bleiben, darunter die Gestaltung der Moskauer Metrostationen „Platz der Revolution“ (russ. „Ploschadj Revoluzii“) und „Partisanen“ (russ. „Partisanskaja“). Im Laufe seines Lebens schuf er rund einhundert Denkmäler zu Ehren bedeutender Wissenschaftler, Kulturschaffender, Revolutionäre und Militärführer. Er war der Schlüsselakteur in der Fortsetzung der künstlerischen Traditionen der Familie, die von seinem Vater, dem bekannten Maler und Pädagogen Heinrich Maniser (1847–1925), begründet wurden. Die Frau von Matwei Elena Janson-Maniser (1890–1971), eine verdiente Künstlerin und Professorin, war eine hochkarätige Porträtistin sowie Schöpferin garten- und monumentalkünstlerischer Kompositionen, Sportpreise und einer einzigartigen Galerie von Ballettmotiven in der Skulptur. Unter ihren Arbeiten finden sich die Gestaltung der Moskauer Metrostationen „Dynamo“ (russ. „Dinamo“) und „Dobryninskaja“, ebenso Projekte für den Zentralen Maxim-Gorki-Park für Kultur und Erholung in Moskau sowie den S.-M.-Kirov-Park in Sankt-Petersburg. Das kreative Erbe ihrer Familie wurde schließlich von ihrem Sohn, dem Künstler und Landschaftsmaler Hugo Maniser (1927–2016), weitergeführt. Seine Werke reichen von lebhaften exotischen Leinwänden bis hin zu lyrischen Eindrücken russischer Natur.

Die Werkstatt in Nowosibirsk versammelte Aktivistinnen und Aktivisten aus verschiedenen Jugendclubs der Russlanddeutschen der Region. Über mehrere Tage tauchten die Teilnehmer in die Atmosphäre der kreativen Arbeit ein, arbeiteten in Werkstätten für Skulptur, Architektur und Malerei und verbesserten gleichzeitig ihre Deutschkenntnisse. Der krönende Abschluss bildeten lebendige Präsentationen der im Laufe des Projekts entwickelten Initiativen und ein spannender Exkursionsweg, der den jungen Menschen nicht nur erlaubte, die Kultur der Russlanddeutschen vertieft kennenzulernen, sondern sich auch als Teil eines gemeinsamen Teams zu fühlen.

Bei den Workshops mit Daria Woronina erhielten die Teilnehmer einen Einblick in den breiten historischen Kontext, schätzten, wie die Kreativität der Familie die kulturellen Strömungen und Entwicklungsetappen der heimischen Kunst widerspiegelte – von der vorrevolutionären Epoche bis zu sowjetischen Zeiten. Es wurde auch die Arbeit der Maniser-Dynastie auf einer Leinwand vorgestellt. Während der Diskussion wurde die besondere Bedeutung der Manisers bei der Gestaltung des visuellen Erscheinungsbildes ganzer Epochen besonders hervorgehoben.

„Das Material wurde verständlich und gleichzeitig tiefgründig präsentiert. Es war spannend, mehr über die Maniser-Familie zu erfahren und die Kunst aus einer neuen Perspektive zu betrachten“, berichtet der Teilnehmer Matwei Anufriew.

Besonderes Augenmerk legte Daria Woronina auf die wichtigsten Werke und kreativen Stationen jedes Familienmitglieds.

Wir haben die Schlüsselwerke sowie die bedeutenden Lebens- und Schaffensperioden im Detail analysiert. Dank des kontinuierlichen Dialogs konnten die Jugendlichen selbst entscheiden, was sie am meisten faszinierte – das machte das Treffen lebendig und spannend“, so die Kunsthistorikerin.

Auch die Parallelen zur Gegenwart sowie die Nuancen der Vergangenheit – etwa die Bedingungen an der Kunstakademie, technische Details bei der Arbeit an Skulpturen oder die Organisation von Wettbewerben, an denen Matwei Maniser beteiligt war – weckten großes Interesse bei den Jugendlichen. Besonders beeindruckte die Teilnehmer, dass in sowjetischer Zeit die Beschaffung der Materialien für die Skulpturen eine Herausforderung war: Zunächst mussten Anträge gestellt und Wettbewerbe gewonnen werden, bevor die Ressourcen bereitgestellt wurden.

„Der Einblick in die Kunstgeschichte und das Erbe der Maniser-Dynastie war äußerst bereichernd, spannend und lehrreich. Vielen Dank für die Gelegenheit, einem solchen Experten zuzuhören!“ freut sich Maria Emschina.

Die Einbindung dieser Workshop-Reihe in das Projekt vertiefte das Verständnis für künstlerische Traditionen und zeigte die Entwicklung einer der bedeutendsten Familienlinien der russischen bildenden Kunst. Mit der professionellen Unterstützung von Daria Woronina erhielten die Jugendlichen ein umfassendes Bild, das über das Skulpturerbe von Matwei Maniser hinausgeht, sondern auch die kulturelle Grundlage beleuchtet, die die gesamte Dynastie geprägt hat.

So wurde das Projekt „Art-Tour“ zu einem weiteren Schritt im Dialog mit der jungen Generation, mit dem Ziel, das Bewusstsein für das kulturelle Erbe der Russlanddeutschen zu bewahren und zu fördern.


Das Projekt wurde mit Unterstützung des Internationalen Verbandes der deutschen Kultur im Rahmen des Förderprogramms der Russlanddeutschen realisiert.