Im Deutsch-Russischen Haus in Moskau fand ein musikalisch-biografischer Konzertabend mit dem Titel „Anna German. Leise Worte der Liebe“ statt, der dem 90. Geburtstag der legendären Sängerin gewidmet war. Der Abend vereinte ihre zeitlosen Lieder, seltene biografische Fakten, persönliche Erinnerungen und Live-Musik – so konnten die Gäste die Stimme der Künstlerin, die zum Symbol für Aufrichtigkeit, Zärtlichkeit und Liebe wurde, aus einer neuen Perspektive „hören“.

Das Jubiläumsprogramm war eine Art Reise durch Leben und Schaffen von Anna German – einer Sängerin, die viele als „singender Engel Europas“ bezeichneten. Ihr Schicksal, voller Herausforderungen und Tragödien, berührt noch heute die Herzen von Zuhörern aller Generationen.

An diesem Abend erklangen im Saal „Berlin“ des Deutsch-Russischen Hauses in Moskau Lieder, die längst Teil des kulturellen Gedächtnisses geworden sind: die berühmten „Echo der Liebe“ (russ. „Echo ljubwi“), „Hoffnung“ (russ. „Nadeschda“), „Wenn die Gärten blühten“ (russ. „Kogda zweli sadi“), „Weiße Traubenkirsche“ (russ. „Belaja Tscherjemucha“) sowie andere Werke in polnischer Sprache. Neben bekannten Kompositionen hörten die Gäste auch seltene Archivlaufnahmen auf Deutsch sowie einzigartige Materialien, die neue Seiten im Leben der Sängerin offenbaren.

Dmitrij Makuschew

Gesungen wurden die Lieder aus dem Repertoire der berühmten Sängerin von der Preisträgerin des Internationalen Festivals zu Ehren Anna Germans, der Sopranistin Anastasia Rudinskaja. Für musikalische Begleitung sorgte der Komponist, Produzent und Pianist Igor Tukalo, der am Klavier spielte. Moderator des Abends war Forschungs- und Biografie-Experte Iwan Iljitschew-Wolkanowskij, Autor von Büchern über ihr Leben. Er teilte mit den Gästen des Abends seltene Fakten, Briefpassagen, Interviews sowie Hinweise auf neue Archivmaterialen, die in seinem zukünftigen Buch erscheinen werden.

Mit einer Begrüßungsrede eröffnete den Abend der stellvertretende Geschäftsführer für föderale Projekte des Internationalen Verbandes der deutschen Kultur, Peter Schifelbaen: „Der heutige Abend ist etwas Besonderes. Er ist durchdrungen von Musik, Erinnerungen und einer leisen, aber unglaublich starken Liebe – der Liebe, die die berühmte Sängerin der Welt schenkte. Wir eröffnen einen musikalisch-biografischen Abend anlässlich ihres 90. Geburtstags. Unser Treffen trägt den Titel ‚Leise Worte der Liebe‘ – so lässt sich ihr gesamtes Schaffen charakterisieren. Anna German war eine ganze Ära in der Unterhaltungsmusik der 1960er bis 1980er Jahre. Ihre Lieder sind wie gute Engel, die die Jahrzehnte überdauert haben, ohne ihre erstaunliche Kraft, Tiefe und Reinheit zu verlieren“.

Stellvertretender Geschäftsführer für föderale Projekte des Internationalen Verbandes der deutschen Kultur Petr Schifelbaen

Stellvertretender Geschäftsführer für föderale Projekte des Internationalen Verbandes der deutschen Kultur Petr Schifelbaen Dmitrij Makuschew

Besondere Atmosphäre schuf das sorgfältig gestaltete musikalisch-biografische Programm, in dem Anna Germans Lieder mit Erzählungen über ihr Leben, seltenen Archivaufnahmen und Videomaterial kombiniert wurden – moderiert von dem Biografen Iwan Iljitschew-Wolkanowskij. Er berichtete über neue Projekte, die zum Jubiläum der Sängerin vorbereitet werden, darunter ein Fernsehprogramm und ein Buch über ihr Leben, an denen mehrere Autoren arbeiten. Laut ihm werden in der Veröffentlichung neue Archivdokumente und bislang unbekannte Fakten aus dem Leben von Anna German präsentiert.

Nach der Eröffnung wurde auf der Leinwand ein Video mit dem Titel „Anna German. Tanzende Eurydiken“ gezeigt, das als musikalischer Prolog für den Hauptteil des Konzerts diente. Kurz darauf erklang eines ihrer bekanntesten Lieder – „Tanzende Eurydiken“ (russ. „Tanzujuschie Ewridiki“) in Interpretation von Anastasia Rudinskaja, begleitet von Igor Tukalo am Klavier. Anschließend begaben sich die Gäste auf eine biografische Reise in die frühen Jahre der Sängerin. Iwan Iljitschew-Wolkanowskij berichtete über Anna Germans Kindheit in Mittelasien, und auf der Leinwand wurde ein Video mit dem Titel „Urgentsch – Geburtsort von Anna German“ gezeigt, das der Stadt gewidmet war, in der sie ihre ersten Lebensjahre verbrachte. Danach folgte die lyrische Komposition „Ballade vom kleinen Glück“ (russ. „Ballada o malom stschastje“).

Dmitrij Makuschew

Ein besonderer Schwerpunkt des Abendprogramms lag auf der persönlichen Geschichte der Sängerin und der großen Liebe zu ihrem Ehemann Antoni Zbigniew. Der Moderator teilte die Geschichte ihrer Beziehung, sprach über die Vorrede zu dem neuen Buch, das ihr Ehemann über ihr Leben schrieb, und über dessen Tod. Es erklang das Lied „Zufall“ (russ. „Slutschajnostj“), gesungen von Iwan Iljitschew-Wolkanowskij. Danach wurde ein Video gezeigt, das dem deutschen Liedrepertoire von Anna German gewidmet war – ein wichtiger Teil ihres künstlerischen Erbes. Nach der Vorstellung performte Anastasia Rudinskaja die Komposition „Und mich bitte schonen“ (russ. „I menja poschalej“).

Ein weiterer besonderer Moment des Programms war das Duett von Anastasia Rudinskaja und Iwan Iljitschew-Wolkanowskij – sie sangen „Vergiss diesen Tag nicht“ (russ. „Ne sabytj etot denj“). Anschließend präsentierte die Sängerin ein weiteres beliebtes Lied – „Wenn die Gärten blühten“. Der Höhepunkt des Abends war das berühmte Lied „Echo der Liebe“. Vor dessen Interpretation wurde ein Video mit dem Titel „Anna German. Echo der Liebe“ gezeigt, was die kulturelle Bedeutung dieses Liedes unterstrich.

Der Konzertabend endete mit einem bewegenden Finale: Nach dem Ausschnitt aus der Serie „Anna German“ erklang das legendäre Lied „Hoffnung“ im Duett von Anastasia Rudinskaja und Iwan Iljitschew-Wolkanowskij, begleitet von Igor Tukalo. Das gesamte Programm war so fesselnd und berührte tief alle Anwesenden des Abends, dass das Publikum mitsang, die Taschenlampen ihrer Handys anschaltete, leuchtete damit und applaudierte am Ende stehend den Künstlerinnen – so wurde der musikalisch-biografische Abend zu einem lebendigen Zeugnis von Annas Leben, bei dem jede Melodie eine Fortsetzung ihrer Geschichte wurde.

Moderator des Abends, Forschungs- und Biografie-Experte von Anna German Iwan Iljitschew-Wolkanowskij

Moderator des Abends, Forschungs- und Biografie-Experte von Anna German Iwan Iljitschew-Wolkanowskij Dmitrij Makuschew

Zum Abschluss gab Iwan Iljitschew-Wolkanowskij ein Kommentar für unseren Informationsportal: „Alles, worüber wir heute gesprochen haben, ist einzigartig. Der heutige Abend basierte auf Fakten, die ich vorher nie erzählt hatte. Diese Themen werden ausführlich in dem neuen Buch erscheinen, das Ende Frühling veröffentlicht wird. Natürlich konnten die Menschen das noch nicht lesen, und die Zuschauer im Saal haben heute bereits neue, bislang unveröffentlichte Fakten aus Leben von Anna German erfahren.“

Er fügte hinzu: „Warum ist das wichtig? Weil Annas Schicksal die Geschichte von Hunderttausenden Russlanddeutschen widerspiegelt, die in der Sowjetunion verfolgt und Repressionen ausgesetzt waren. Anna German ist eine Art Leitstern in dieser großen, tragischen Geschichte. Ihr Leben war voller Tragödien, doch sie blieb immer ein sehr gütiger und heller Mensch, der nie ein böses Wort sprach.“

Anna ist ein Beispiel dafür, dass Schwierigkeiten und Probleme den Menschen nicht daran hindern, menschlich zu bleiben.

Anastasia Rudinskaja verriet uns, was sie an Annas Werk am meisten berührt: „Am meisten sprechen mich jene Werke an, in denen man seine künstlerische Begabung zeigen kann. In Annas Liedern sind die Bilder der Heldinnen und Ereignisse sehr präzise, fein und detailliert beschrieben. Sie legt in jedes Bild eine so tiefe Bedeutung, dass es unmöglich ist, es nicht zu glauben und nicht davon berührt zu werden“.

Preisträgerin des Internationalen Festivals zu Ehren Anna Germans, Sopranistin Anastasia Rudinskaja

Preisträgerin des Internationalen Festivals zu Ehren Anna Germans, Sopranistin Anastasia Rudinskaja Dmitrij Makuschew

„Meine Begegnung mit Anna German begann 2012, als die Serie ‚Anna German. Das Geheimnis des weißen Engels‘ veröffentlicht wurde. Damals entdeckte ich erstmals die Kraft des Gesangs. Früher beschäftigte ich mich nie mit Musik oder Gesang, aber durch diese Lieder begann ich, Neues zu entdecken. Ich mochte die Musik und Lieder Anna Germans sehr. Es war eine Art Dominoeffekt: Ein Lied nach dem anderen begann in meinem Kopf aufzutauchen. Schritt für Schritt interessierten mich auch die Lieder auf Polnisch. Ich begann, die Aussprache und Phonetik zu studieren, um sie so authentisch wie möglich zu singen.“

Sie erklärte, dass dies keine bloße Sammlung von Repertoire war, sondern eine Liebe und Freude daran, diese Lieder singen zu können:

Was mir am meisten an Annas Werk gefällt, ist, dass ich darin meine künstlerische Seite ausdrücken kann. Es ist eine große Freude, diese Lieder zu singen, weil sie so tief und bedeutungsvoll sind.

Auf die Frage, welches Lied aus dem Programm für sie persönlich am bedeutsamsten ist, antwortete sie: „Ich würde mehrere nennen, aber besonders ‚Wünsche für Glück‘ (russ. ‚Poschelanije stschastje’). Das Lied ist den Menschen gewidmet, die den Krieg durchlebt haben. Es zeigt auf zarte Weise die verschiedenen Generationen: die jüngeren ebenso wie die älteren, die viele Verluste und Schmerzen erlebt haben. Für einen Interpreten ist dieses Lied ebenfalls nicht einfach: Man muss sehr flexibel von einer Figur zur nächsten wechseln. Schnell auf den jeweiligen Charakter umzustellen ist eine Herausforderung, aber genau das macht das Lied so tiefgründig und berührend.“

Igor Tukalo, der heute im Saal „Berlin“ am Klavier spielt, erläuterte die Bedeutung und Schwierigkeit bei der musikalischen Begleitung von Annas Liedern: „Jede Musik ist bedeutungsvoll und komplex. Man kann sie nicht einfach so spielen, man muss sie verstehen, die Bilder darin spüren. Musik ist immer eine Vertiefung. Bei Anna German handelt es sich um eine großartige Künstlerin – und ihre Musik ist ebenso großartig. Viele Komponisten haben für sie geschrieben, und keiner von ihnen war zufällig dabei. Es sind Meister ihres Fachs, deshalb ist ihre Musik auch sehr ernst und verlangt tiefes Verständnis.“

Komponist, Produzent und Pianist Igor Tukalo

Komponist, Produzent und Pianist Igor Tukalo Dmitrij Makuschew

„Heute leben wir in einer anderen Zeit, mit anderen Rhythmen, und diese zeitliche Distanz muss man ebenfalls überwinden: Man muss die Intonationen erfassen, sie für den modernen Hörer aufbereiten, sie in manchen Bereichen modernisieren, ohne dabei das Wesen dieser Musik zu zerstören. Anna German besaß ein wahrhaft einzigartiges Timbre. Ihre Interpretationen zeichnen sich stets durch eine besondere Pause, einen besonderen Raum aus. Sie beeilt sich nicht, Emotionen auszudrücken, lässt sich dafür Zeit. Es ist, als sänge sie – und gleichzeitig ermöglicht sie dem Publikum und den sie begleitenden Musikern, das zu fühlen, was sie vielleicht gar nicht direkt ausspricht. Ihr freier Vortragsstil, in dem ihre Stimme ungehindert zu fließen scheint, lässt Raum für Reflexion, für die innere Weiterführung der Gedanken. Obwohl sie natürlich selbst genau weiß, wohin diese musikalische Phrase führt.“

„Wir Musiker sind oft zu sehr damit beschäftigt, den perfekten Klang zu suchen: Wir versuchen, technisch alles richtig zu machen, jeden Ton makellos zu treffen. Und manchmal vergessen wir, dass in dieser Musik auch andere Gefühle stecken. Manchmal muss man zum Beispiel gar nicht laut singen. Heutzutage versuchen viele Sänger, sich in Szene zu setzen: ‚Seht her, was ich trage, welche Stimme ich habe und wie ich singe!‘ Aber ich glaube, Anna German war in dieser Hinsicht ganz anders. Ihre Auftritte waren nie narzisstisch – die Musik und die Bedeutung des Liedes standen immer an erster Stelle.“

Anna diente der Kunst. Nicht die Kunst war in ihr, sondern sie war in der Kunst. Und solche Dinge sind heutzutage sehr schwer zu finden.


Das Projekt wurde mit Unterstützung des Internationalen Verbandes der deutschen Kultur im Rahmen des Förderprogramms der Russlanddeutschen in der Russischen Föderation realisiert.