Am 19. Januar endete im Museum und Ausstellungszentrum der Stadt Atschinsk die Einzelausstellung „Durch Zeit und Raum“ von Juri Gintner mit Grafiken und Gemälden. Die Ausstellung mit fast zweihundert Werken diente als eine Art Retrospektive und umfasste das Schaffen des Künstlers von seinen Anfängen bis heute.
Juri Gintner gilt mit seinen unglaublich lebendigen Aquarelllandschaften und ausdrucksvollen Werken in der Technik der Ölmalerei als „Sänger Sibiriens“. Obwohl die Familie Gintner nach Sibirien zwangsweise übersiedelt wurde, prägte der Ort der Geburt und Kindheit von Juri seine künstlerische Entwicklung nachhaltig. Die Kindheit im Dorf, die Arbeit in der Natur und das Betrachten der herrlichen Sonnenauf- und -untergänge – all dies spiegelt sich in seinen Gemälden wider, die aufrichtig von der Liebe zur sibirischen Natur und der Liebe zur Heimat sprechen.
„Ich bin glücklich, in Sibirien geboren und in einem Dorf aufgewachsen zu sein“, sagt der Künstler. „Ich erinnere mich oft an meine sorgenlose Kindheit: im Sommer barfuß über eine Landstraße zu laufen, im Fluss zu schwimmen, wilde Beeren zu pflücken; im Winter die klare Waldluft, Skifahren auf selbstgebauten Skiern und die Wärme des Ofens zu Hause… Schon früh nahm mich mein Vater mit zur Heuernte. Wir verbrachten Nächte in einer Hütte, erlebten neblige Sonnenaufgänge, fast magische, leuchtende Sonnenuntergänge. Das Zirpen der Heuschrecken im Gras. Die Jahre meiner Kindheit vergingen wie im Flug… Doch das Gefühl von unermesslichem, lebensbejahendem Glück, Wärme und Harmonie ist mir für immer geblieben.“
Juri Gintner vermittelt diese positiven und warmherzigen Gefühle nicht nur in seinen Gemälden, sondern gibt sie auch an seine Schüler weiter. Er arbeitete fast fünfzig Jahre lang an der A.-M.-Snak-Kunstschule in Atschinsk, davon einunddreißig Jahre als Direktor, und lehrte Generationen von Studenten und Absolventen, die Welt mit den Augen eines Künstlers zu sehen.
„Juri Gintner hat einen enormen Beitrag zur künstlerischen Bildung in der Stadt, der Region und sogar in ganz Russland geleistet. Schließlich sind seine Absolventen wie Vögel über das ganze Land verstreut“, bemerkte Elena Andrejewa, Verdiente Kulturschaffende der Region Krasnojarsk und Direktorin der A.-M.-Snak-Kunstschule in Atschinsk.
Der Künstler ist froh, mit Kindern gearbeitet zu haben: „Ich habe den Umgang mit Kindern immer genossen. Ein Leben, das man Kindern widmet, ist nie vergeudet. Viele meiner Schüler sind Architekten, Designer, Kunsthandwerker, Theaterkünstler, Kunsthistoriker oder -lehrer geworden. Heute geben sie selbst die Freude am Erleben der Welt um sie herum an die nächste Generation weiter.“
Juri Gintner arbeitet auch während der Rente weiter: er verbringt viel Zeit in seinem Atelier mit Malen und gibt seine Erfahrung und sein Können in Workshops an Kinder und Erwachsene weiter. Marina Katschan, Direktorin des D.-S.-Kargapolow-Museums für Heimatgeschichte in Atschinsk und Verdiente Kulturarbeiterin der Region Krasnojarsk, lobte die unerschöpfliche Energie und den Fleiß des Künstlers: „Trotz einer schwierigen Kindheit ist Juri zu einem Mann mit einem offenen und gütigen Herzen herangewachsen. Wir danken seinen Eltern von ganzem Herzen, die ihm Fleiß und Ausdauer mitgegeben haben.“
„Manchmal werde ich gefragt, warum ich als Rentner jeden Morgen ins Atelier gehe“, erzählt der Künstler. „Ich habe darüber nachgedacht. Schließlich gehen die Menschen arbeiten und erhalten für ihre Arbeit einen Lohn. Wir Künstler malen Tag für Tag Bilder und bekommen nichts. Offenbar ist das unsere Bestimmung auf der Erde – Kunstwerke zu schaffen und sie dann den Menschen zu zeigen.“
Nicht alle Gemälde werden verkauft. Juri sagt, der Großteil seiner Werke bleibe in seinem Besitz – über die Jahre habe er einen reichen Fundus an kreativen Arbeiten angehäuft, die er in Ausstellungen präsentiert. „Um heutzutage Gemälde zu verkaufen, muss man sie auf einer Online-Plattform zeigen, und damit kenne ich mich nicht so gut aus“, gibt der Künstler zu. Doch Juri Gintner erhält für seine Arbeit eine andere Belohnung: dankbare Betrachter und Lehrlinge.
„Juri Gintner ist ein offener, freundlicher, bescheidener und charmanter Mensch, ein unglaublich talentierter Künstler und Lehrer. Genau das zieht die Menschen zu ihm hin. Er hat viele Freunde, dankbare ehemalige Schüler und Weggefährten“, bemerkte Sergej Setow, stellvertretender Leiter des Sozialamts der Stadt Atschinsk, bei der Eröffnung der Ausstellung „Durch Zeit und Raum“.
„Seine Gemälde verkörpern Güte, wecken die Liebe zur Welt um uns herum, zur Natur und fördern ein Gefühl der Nächstenliebe, eine wohlwollende Haltung gegenüber Natur und Mitmenschen – kurzum, die besten menschlichen Eigenschaften.“

Juri Gintner (in der Mitte mit Blumen) mit Gästen bei der Eröffnung der Ausstellung „Durch Zeit und Raum“
Dass Juri Gintner viele Freunde und Bewunderer seiner Kunst hat, zeigte sich deutlich an dem vollen Saal bei der Ausstellungseröffnung. Vertreter der Stadtverwaltung, ehemalige Kollegen der Kunstschule, Schüler und Studenten, Kunstmaler und Schriftsteller, die Gedichte zu Juris Gemälden vortrugen, waren gekommen, um dem Künstler zu gratulieren. Es wurden Dankesworte ausgesprochen sowie Wünsche für Gesundheit, ein langes und erfülltes Leben und anhaltendes kreatives Schaffen.
Als professioneller Künstler hat Juri Gintner an Ausstellungen verschiedenster Größenordnungen teilgenommen: international, national, regional, zonal, provinziell und stadtweit, darunter sowohl Gruppen- als auch Einzelausstellungen. Doch die Ausstellung „Durch Zeit und Raum“ ist etwas Besonderes.
„Diese Ausstellung ist eine Retrospektive. Sie zeichnet meinen gesamten künstlerischen Werdegang nach. Sie ist gewissermaßen eine Bestandsaufnahme meiner Lebensleistung.
Ich habe eine so umfangreiche Ausstellung schon lange geplant, sie aber immer wieder verschoben“, sagt der Künstler. „Schließlich ist es unmöglich, eine so große Ausstellung allein vorzubereiten – sie umfasst rund zweihundert Gemälde, darunter auch das, mit dem ich mich in den 1960er-Jahren an der Kunsthochschule bewarb. Ich bin allen, die mich unterstützt haben, sehr dankbar. Es war viel Arbeit – einige Gemälde mussten neu gemalt, andere neu verglast, neue Rahmen bestellt, ein Booklet erstellt, Beschriftungen angefertigt und schließlich alles fachgerecht gehängt werden. Ich bin sehr zufrieden, dass alles geklappt hat.“
Auf der Ausstellung präsentierte und überreichte Juri Gintner den Gästen das Album „Alles, was im Herzen … Russland ist meine Heimat. Sibirien ist mein Schicksal“ (2025), das seine Biografie, sein künstlerisches Schaffen und Familienfotos enthält. Die Publikation basiert auf zwei Katalogen, die vom Internationalen Verband der deutschen Kultur im Rahmen des gesamtrussischen Förderwettbewerbs „Russlanddeutsche in der Avantgarde der Zukunft“ herausgegeben wurden: „Melodien von Sibirien in Aquarellen von Juri Gintner“ (2011) und der Katalog „Alles, was im Herzen … Juri Gintner. Malerei, Graphik“ (2022).
Juri ist ein langjähriger Freund der Selbstorganisation der Russlanddeutschen, Mitglied des Verbandes der deutschen Künstler Sibiriens und der Künstlervereinigung der Russlanddeutschen.
„Er gehörte in den 1990er-Jahren zu den Ersten, die der Selbstorganisation beitraten und an Ausstellungen russlanddeutschen Künstler teilnahmen“, sagt Olga Kulschmanowa, Vorsitzende der Regionalen national-kulturellen Autonomie der Russlanddeutschen in Krasnojarsk. „Seine Verbindung zur Gemeinschaft der Russlanddeutschen ist bis heute eng.“
„Zuerst nahm ich als Mitglied des Verbandes der deutschen Künstler Sibiriens an Gruppenausstellungen in der Region teil – in Minusinsk, Jenisseisk, Kansk, Krasnojarsk und anderen Städten“, erinnert sich Juri. „Dann schlossen sich die Künstler des Verbandes der Künstlervereinigung der Russlanddeutschen an, und unsere Ausstellungsaktivitäten weiteten sich aus. Wir begannen, an landesweiten Projekten des Internationalen Verbandes der deutschen Kultur teilzunehmen und in Großstädten im ganz Russland auszustellen.“ Juri Gintner hat immer wieder an kreativen Projekten mitgewirkt – Kunstlabore, Freilichtmalerei, Workshops für angehende Künstler und Gruppenausstellungen. So wurden beispielsweise seine Werke im Album „Vom Himmel hoch, da komm' ich her …“, herausgegeben zum 500. Jahrestag der Reformation, aufgenommen. Heute sind seine Gemälde in der Gruppenausstellung „Erbe in Farben“ von Künstlern der Künstlervereinigung der Russlanddeutschen im Deutsch-Russischen Haus in Moskau zu sehen. Die Ausstellung, die noch bis zum 23. Februar läuft, umfasst Werke, die in der Wolgaregion im Rahmen der Kunstlabore geschaffen wurden.
Das Lebenswerk von Juri Gintner wurde vom Staat und der Fachwelt zu Recht gewürdigt. Er ist Verdienter Kulturarbeiter der Russischen Föderation, Verdienter Künstler der Region Krasnojarsk, Mitglied des Künstlerverbandes Russlands und der Internationalen Vereinigung der bildende Künste (AIAP UNESCO), Mitglied des Verbandes der deutschen Künstler Sibiriens und der Künstlervereinigung der Russlanddeutschen, Diplomträger des Künstlerverbandes Russlands, Preisträger gesamtrussischer Wettbewerbe, Gewinner eines persönlichen Stipendiums des Gouverneurs der Region Krasnojarsk, Arbeitsveteran der Russischen Föderation und Ehrenbürger der Stadt Atschinsk.
Auf die Frage, woher er all die Jahre seine Inspiration nimmt, antwortet der Künstler:
„Es ist schwer zu sagen. Manchmal weiß ich gar nicht, wie der kreative Prozess beginnt. Es ist eine Stimmung in meiner Seele – etwas, das ich über einen langen Zeitraum wahrnehme und beobachte. Es sammelt sich in meinem Unterbewusstsein an und fließt dann in Werke ein – Porträts oder Landschaften, Öl- oder Aquarellbilder.
Es klappt nicht immer genau so, wie ich es mir wünsche. Manchmal muss ich zwanzig oder dreißig Blätter malen, um ein einziges Werk fertigzustellen. Und manchmal beginnt man etwas, und es wird ganz anders, nicht so, wie man es sich vorgestellt hat …“
Der Künstler schuf schon mehrere hundert Gemälde. Die meisten waren eben in der Ausstellung „Durch Zeit und Raum“ zu sehen. Die Ausstellung lockte einen Monat lang Einheimische und Touristen gleichermaßen an, darunter Igor Titenkow, Bürgermeister des Stadtbezirks Atschinsk; Priester Alexander Safimow, Pfarrer der Kasaner Kathedrale; Wjatscheslaw Popow, Ataman des Freien Kosakenbezirks Atschinsk „Verband der Jenissei-Kosaken“; und viele andere. Im Rahmen der Ausstellung fanden mehrere Treffen statt: Der Künstler sprach mit Ehrenbürgern der Stadt, Jugendlichen und Schülern der A.-M.-Snak-Kunstschule. Im Ausstellungszentrum fanden auch Dreharbeiten für die Neujahrssendung „Stadt der Meister“ (ATV-Sender) statt, in der Juri Gintner die Aquarellmalerei auf nassem Untergrund demonstrierte und die Fragen des Moderators zu seinem Werk beantwortete.
„Die Ausstellung ist wunderbar! Dank der Beleuchtung kann man jeden einzelnen Pinselstrich dieses talentierten und versierten Künstlers deutlich erkennen. Es war auch faszinierend, durch die Archivaufnahmen bei der Eröffnung mehr über Juri Gintners Biografie und sein Schaffen zu erfahren“, sagte Swetlana Scharkowa, eine Besucherin der Ausstellung „Durch Zeit und Raum“.
Wir wünschen Juri Gintner unerschöpfliche Energie, kreativen Erfolg und noch viele weitere Einzelausstellungen zu veranstalten.
Zur Kenntnis:
Juri Gintner wurde am 1. November 1947 in Sibirien als Sohn deportierter Krimdeutscher geboren. Schon in der Schule zeigte er Interesse an bildender Kunst; der Mangel an Materialien und Ausrüstung hielt ihn nicht auf. So begann er 1968 das Studium an der pädagogischen Abteilung der W.-I.-Surikow-Kunstschule in Krasnojarsk. Nach dem Abschluss 1972 begann er an der A.-M.-Snak-Kinderkunstschule in Atschinsk als Lehrer für Zeichnung, Malerei und Tafelmalerei zu arbeiten. Von 1978 bis 2009 war er als Direktor an dieser Schule tätig. Während der Arbeit an der Schule hob Juri Gintner das kulturelle Niveau der Stadt und der Region: Er war an der Entwicklung von Lehrprogrammen und Methoden beteiligt, rekrutierte Personal und legte besonderen Wert auf das Ansehen und die Bedeutung der Schule. Trotz seiner langjährigen Lehrtätigkeit und seiner Erfolge ist Juri Gintner in erster Linie Künstler – ein leidenschaftlicher Schöpfer eines kreativen Dialogs mit der Welt um ihn herum. Er stellt regelmäßig aus. Seine Werke befinden sich in Privatsammlungen in Russland und im Ausland.









